| 10.12 Uhr

Berlin
Wenn Strom zum Luxus wird

Berlin. Eine Arte-Dokumentation zeigt, warum immer mehr Europäer von Energiearmut bedroht sind. Von Klaus Braeuer

Im Jahr 2014 gab es in Europa 40.000 Kältetote, weil Millionen von Menschen ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen konnten und mangels Heizung erfroren sind - die sogenannte Energiearmut betrifft mittlerweile etwa zehn Prozent der Europäer. Die Dokumentation "Die große Stromlüge" versucht, die Hintergründe dieser gefährlichen Entwicklung zu beleuchten.

In den vergangenen acht Jahren hat sich der Strom in Europa um durchschnittlich 42 Prozent verteuert. In Spanien sind infolgedessen rund 28 Prozent der Bevölkerung von Energiearmut betroffen. In Frankreich hat das ehemalige Staatsunternehmen Electricité de France (EDF) bis heute eine Monopolstellung inne. Das verstößt nicht nur gegen den freien Wettbewerb in der EU, sondern verwehrt Tausenden Franzosen die Loslösung vom staatlichen Netzbetreiber. Die Folge: Rund acht Millionen Haushalte können ihre Stromrechnung nicht mehr begleichen. In Deutschland sind mittlerweile rund sieben Millionen Haushalte von Energiearmut betroffen oder bedroht.

Schuld daran ist auch die Liberalisierung des Strommarktes, die durch den Wettbewerb ein Absenken der Preise bewirken sollte. Die Europäische Kommission hatte vor 20 Jahren günstige Energie versprochen und wollte Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt regeln. Das hat jedoch nicht funktioniert, denn mit den Privatisierungen wurde die Stromversorgung nicht nur teurer, sondern auch schlechter.

Autorin Cécile Allegra lässt in ihrer Dokumentation Regierungsbeamte und private Berater von Energiekonzernen zu Wort kommen, aber auch Umweltaktivisten und besorgte Bürger, die Strom immer öfter als "Luxusgut" bezeichnen. Viele von ihnen fühlen sich von den Regierungen, die günstige Strompreise versprachen, getäuscht. Die Wut der Bürger auf die politisch Verantwortlichen ist förmlich greifbar.

Die Doku bietet viele Fakten, leider fehlt aber ein Blick auf die Frage, was in 20 Jahren sein wird, und was unsere Generation für die nachfolgende hinterlässt. Einen sauberen Strommarkt jedenfalls nicht.

"Die große Stromlüge", Arte, 20.15 Uhr

(dpa)
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