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Presseschau
Wie der Fall Böhmermann in der Welt wahrgenommen wird

Porträt: Böhmermann – Podolski-Imitator, Komiker, ZDF Neo
Porträt: Böhmermann – Podolski-Imitator, Komiker, ZDF Neo FOTO: dpa, bsc
Düsseldorf. Die Debatte um Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht ist inzwischen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sogar in den USA wird über den Fall berichtet. Ein Blick ins Ausland. Von Dana Schülbe

"Die massive Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator" nannte Jan Böhmermann als Begründung für die Absage seiner Sendung Neo Magazin Royal am Donnerstag. Tatsächlich kommt man in Deutschland derzeit kaum um die Debatte herum.

Doch nicht nur in der Bundesrepublik wird über das Schmähgedicht und die damit verbundene Frage, wie weit Satire gehen darf, diskutiert. Inzwischen hat das Thema auch Eingang in die Berichterstattung der internationalen Medien gefunden – bis hin zu den USA.

Dort hat sich etwa die "New York Times" des Themas angenommen und schreibt auf ihrer Webseite: "Deutschlands Komiker lieben Präsident Recep Tayyip Erdogan. Oder zumindest, sich über ihn lustig zu machen. Und für Kanzlerin Merkel gibt es da gar nichts zu Lachen."

Auch die "Washington Post" beschäftigt sich mit den Folgen der Debatte für Angela Merkel. Die Zeitung titelt online: "Wie ein vulgäres Gedicht Deutschlands Merkel echte Kopfschmerzen bereitet." 

"Immer einen Schritt weiter, als es die feine Gesellschaft erlaubt"

Vom TV-Sender ABC.es bis zur Tageszeitung "El Pais" wird in Spanien ebenfalls über den Fall Böhmermann berichtet. "La Vanguardia" etwa schreibt über "den Deutschen, der in den schlimmsten Träumen Erdogans vorkommt". In Großbritannien beschäftigen sich die Zeitungen häufig mit der Person Böhmermann selbst. "So oder so, Jan Böhmermann geht immer einen Schritt weiter als die feine Gesellschaft es erlaubt", schreibt die BBC auf ihrer Webseite und darüber, dass Böhmermann "clever, witzig und kompliziert" den öffentlich-rechtlichen Rundfunk revolutioniert habe.

In eine ähnliche Tonlage verfällt auch die Boulevard-Zeitung "Daily Mail". Dort heißt es, der Satiriker sei "enorm populär bei jungen Deutschen, die seinen anarchischen, Grenzen verschiebenden Humor lieben". Böhmermann stehe "im starken Kontrast zu traditionellen deutschen Comedians".

Der Deutschlandfunk wiederum zitiert in seiner Presseschau die Zeitung "Rzesczpospolita" aus Warschau mit den Worten: "Die fröhliche Schaffenskraft der deutschen Satiriker droht zur Katastrophe für die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin zu werden.

Deutliche Worte findet der österreichische "Standard" in seinem Kommentar. "Die Regierung muss sich nun zwischen äußerer Staatsräson und innerer Glaubwürdigkeit entscheiden. Der überholte Paragraf 103, der die Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe stellt, verlangt eigentlich ein Verfahren. Aber dieses wäre durch den Kontext von Böhmermanns Schmähsatire der Lächerlichkeit preisgegeben. Merkel müsste das türkische Verlangen daher aus Eigeninteresse abweisen; sie stünde sonst schmählich als Handlangerin eines Despoten da", heißt es dort.

"Das kann nicht deutsche Kultur sein"

Kritische Töne gibt es erwartungsgemäß vor allem aus der Türkei. Nicht nur dass der staatsnahe Sender "A Haber" in einer kurios anmutenden Fernsehsendung versucht hatte, in Mainz Verschwörungen gegen die Türkei aufzudecken. Auch in den Zeitungen des Landes spielt das Thema eine Rolle. So zitiert der Deutschlandfunk in seiner Presseschau aus der Zeitung "Star":  "Das, was Jan Böhmermann gemacht hat, kann nicht deutsche Kultur sein. (...) Was als 'Satire' gesendet wurde, sind lediglich abscheuliche 'Porno-Fantasien' Böhmermanns, die dieser gegen den türkischen Staatspräsidenten richtet." 

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