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Personelle Konsequenzen
Wirbel um Belästigungs-Vorwürfe beim WDR

Wirbel um Belästigungs-Vorwürfe beim WDR - Christiane Seitz verlässt Interventionsteam
Ein WDR-Schriftzug in Köln. (Archiv) FOTO: dpa, obe idt mhe wie
Köln. Der Bericht über einen WDR-Korrespondenten, der zwei WDR-Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll, zieht personelle Konsequenzen nach sich. Allerdings nicht für den Beschuldigten.

Am Donnerstag hatten das Recherchezentrum Correctiv und der "Stern" berichtet, dass es Fälle sexueller Belästigung beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) gegeben habe. Die Vorwürfe betreffen einen Korrespondenten, der weiter für den WDR tätig ist. 2012 soll er eine Praktikantin auf einer Dienstreise in sein Hotelzimmer eingeladen haben, ihr Champagner gereicht und ihr auf seinem Laptop einen Pornofilm gezeigt haben. Einer anderen Kollegin machte er angeblich in einem längeren E-Mail-Wechsel sexuelle Avancen. Der Korrespondent bezeichnete sich dabei als "Alpha-Tier" und schrieb, er bekomme immer, was er wolle.

Nach Recherchen von "Stern" und Correctiv erhielt der Korrespondent nach der Aufarbeitung des Falles in den ersten Monaten des Jahres 2017 keine Abmahnung. Die Vorwürfe wurden allerdings in seiner Personalakte vermerkt. Der WDR erklärte auf Anfrage, man habe Fälle sexueller Belästigung "mit dem Maximum an rechtlichen und disziplinarischen Möglichkeiten" verfolgt.

Das sieht die Chefin des Personalrats offenbar anders: Christiane Seitz, die im hauseigenen Interventionsteam zur Klärung solcher Fälle sitzt, hat sich aus eben diesem Team am Freitag zurückgezogen. Das berichtet "Spiegel Online". Grund dafür sei, dass Vorschläge des Personalrats "zur Ahndung von Machtmissbrauch" ins Lächerliche gezogen worden seien.

In den vergangenen zehn Jahren sind nach Angaben einer WDR-Sprecherin sieben Fälle aktenkundig geworden. Nach Informationen von "Stern" und Correctiv befindet sich darunter ein weiterer bekannter Journalist des Senders, der in "Tagesschau" und "Tagesthemen" zu sehen ist.

Die Praktikantin zeigte sich enttäuscht über die Konsequenzen für den Korrespondenten. Ein Eintrag in die Personalakte sei ihrer Meinung nach eine zu milde Reaktion.

(felt)
 
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