| 07.24 Uhr

Düsseldorf
Wölfe im Schafspelz

Düsseldorf. Zur Prostitution gezwungen - ein Drama und eine Dokumentation gehen dem Phänomen der Loverboys auf den Grund. Von Martin Weber

Erst verführen sie ihre Opfer, um sie dann brutal auszubeuten - sogenannte Loverboys sind vor allem für minderjährige Mädchen mit geringem Selbstbewusstsein eine große Gefahr. Dabei ist die Masche immer die gleiche: Mit Geschenken und Liebesschwüren sorgen die jungen Zuhälter dafür, dass die gezielt ausgewählten Mädchen sich in sie verlieben. Dann behaupten die Loverboys plötzlich, dass sie in finanziellen Schwierigkeiten stecken und schicken ihre Opfer auf den Strich - wer sich weigert, wird misshandelt und verprügelt. Die jungen Mädchen finden sich plötzlich in einem Sumpf aus Prostitution, Drogen und Gewalt wieder, aus dem es oft keinen Ausweg mehr gibt.

Mit einem Spielfilm und einer anschließenden Dokumentation widmet sich das Erste heute Abend dem Phänomen der Loverboys, das Eltern und Behörden seit einigen Jahren große Sorgen macht.

Der Spielfilm "Ich gehöre ihm" dreht sich um die 15-jährige Caro (Anna Bachmann), ein braves und unscheinbares Mädchen aus einer intakten Familie. Mit Jungen hat die graue Maus noch keine Erfahrungen gesammelt, sie konzentriert sich auf die Schule und ihr Basketballteam. Caro ist das ideale Opfer für einen skrupellosen Loverboy, der in Thomas Durchschlags eindringlichem TV-Drama in Gestalt des 19-jährigen Cem auch schon bald auftaucht. Jungschauspieler Samy Abdel Fattah lässt seine Figur viel Charme versprühen, doch das strahlende Lächeln des gut aussehenden jungen Mannes kann nicht über den kalten Blick hinwegtäuschen, mit dem er sein potenzielles Opfer mustert - eine darstellerische Meisterleistung.

Nach und nach verfällt Caro dem hübschen Kerl mit der schweren Goldkette und dem teuren Mercedes, der seine "Prinzessin" scheinbar auf Händen trägt. Caros Eltern Anna und Christian, gespielt vom Schauspieler-Paar Maria Simon und Bernd Michael Lade, bekommen nicht mit, dass ihre Tochter einen neuen Freund hat - auch nicht, als es längst zu spät ist und das Mädchen in einer von Cem organisierten Wohnung gegen Bezahlung mit Männern ins Bett geht.

Es sind perfiderweise gerade die Toleranz und der liberale Erziehungsstil der Eltern, die Caro zum Verhängnis werden. Gerade weil sie ihrer Tochter mit einem großen Vertrauensvorschuss begegnen, verlieren sie den Überblick und ermöglichen es Cem, mit Schmeicheleien und brutaler Gewalt die totale Kontrolle über die 15-Jährige zu gewinnen. Das wird vor allem in der einprägsamen Szene deutlich, in der die Eltern Cem kennenlernen, als sie ihrer Tochter und dem Loverboy zufällig auf der Straße begegnen - und natürlich nicht wissen können, dass der ältere Mann in Begleitung des jungen Paars ausgerechnet ein Freier Caros ist.

In der anschließenden Dokumentation "Verliebt, verführt, verkauft" berichten Frauen, wie sie Opfer eines Loverboys wurden - und ein Vater erzählt, wie er machtlos dabei zuschauen musste, wie seine Tochter in die Prostitution abrutschte. Anhand einiger Fallbeispiele schildert der Beitrag, was passieren kann, wenn eine Minderjährige in die Fänge eines Loverboys gerät, und warum sich kaum je ein Opfer traut, gegen einen dieser Zuhälter auszusagen. Es geht außerdem um die Frage, was Polizei, Justiz und Hilfsorganisationen gegen diese Kriminellen ausrichten können.

"Ich gehöre ihm", Das Erste, 20.15 Uhr; "Verliebt, verführt, verkauft", Das Erste, 21.45 Uhr

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Wölfe im Schafspelz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.