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80er-Ausgabe des "Neo Magazin Royale"
Böhmi, zurück mit Dir ins Jahr 2015

ZDFneo: So lief die Retro-Show mit Jan Böhmermann
Jan Böhmermann mit 80er-Jahre Pornobalken. FOTO: obs/ZDFneo/ZDF/Fred Schirmer, btf GmbH
Düsseldorf. Die Idee war gut, die Umsetzung allerdings überraschte kaum - am Donnerstagabend sendete das "Neo Magazin Royale" mit Jan Böhmermann aus dem Jahr 1985 und setzte vor allem auf Nostalgie. Von Sebastian Dalkowski

Jan Böhmermann und sein Team hatten wirklich an alles gedacht: an die viel zu großen braunen Anzüge, an eine hässliche Couch, die alten Computerspiele, ja sogar das Bild war so grobkörnig wie 1985. Doch was das Highlight des "Neo Magazin Royale" 2015 werden sollte, funktionierte am Donnerstagabend nur als nostalgischer Blick in die Vergangenheit.

Während Michael J. Fox vor 30 Jahre ins Jahr 2015 reiste, reiste Jan Böhmermann aus dem Jahr 2015 ins Jahr 1985. So die Idee für eine besondere Ausgabe seines "Neo Magazin Royale". Schnell wird klar: Damals war einiges anders. Das Bild ist mies, die Anzüge sind es auch, die Schnurrbärte zwar so hässlich wie heute beim Hipster, aber unironisch angesagt. Joschka Fischer ist gerade Umweltminister von Hessen geworden. Statt Internet gibt es BTX, eine Art frühes Internet. "Cheri Lady" von Modern Talking ist auf Platz 1 der deutschen Charts. Das Team hatte fleißig recherchiert und sogar Publikum aus alten ZDF-Live-Sendungen reingeschnitten. Böhmermann spricht in ein Mikrofon mit Kabel und freut sich über seinen goldenen Bravo Otto.

Die Sendung setzt auf Nostalgie. Böhmermann spricht mit Zini, einem gelben Punkt aus der ARD-Sendung "Spaß am Dienstag", der aber in dieser Version wild flucht. Statt Photoshop-Philipp versuchen MS-DOS-Manfred, Bios-Bernard, Hardware-Hanspeter und Lötkolben-Ludwig ein Foto mit einem Nadeldrucker zu drucken. Am Ende spielt Böhmermann mit dem Moderator Jan Köppen, der aus dem Jahr 2015 in die Vergangenheit gereist ist, Winter Games auf dem C64. Dessen Smartphone hält Böhmermann erst für einen Rasierapparat und dann für einen Handspiegel. Das ist alles mit viel Liebe fürs Detail gemacht, aber wenig überraschend. Dass die Welt vor 30 Jahren eine ganz andere war, das wussten wir vorher. Weil wir uns entweder daran erinnern oder bei Youtube alte Folgen von "Wetten, dass..?" angucken können.

Ein paar Anspielungen aus dem Jahr 2015 aber baut Böhmermann ein. So bringt der Briefträger, der normalerweise Beefträger heißt, mehrere Briefe. Einer ist vom 19-jährigen Metzger Stefan aus Köln-Sülz, der die Sendung kritisiert und ankündigt, er werde das mit viel viel mehr Quote und "noch viel viel lustloser" machen. Ein anderer Brief ist von Sebastian, 16, der gerne mit jüngeren Kindern plantschen und im Småland spielen möchte. Sebastian Edathy gehört zu Böhmermanns liebsten Zielscheiben. Man könnte auch sagen: Allmählich sind alle Edathy-Gags durch.

So bleibt am Ende ein gut recherchierter und von der Liebe zum Detail angetriebener Ausflug ins Jahr 1985, der Respekt abnötigt, aber keine Begeisterung. Und der zeigt: Am besten ist Jan Böhmermann in der Gegenwart.

Hier können Sie sich die aktuelle Sendung in der Mediathek ansehen.

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