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Köln
Zum Wahlkampf ruft der Muezzin

Köln. In der Politsatire "Der Hodscha und die Piepenkötter" werden nicht nur Extreme parodiert. Von Lisa Kreuzmann

An Zuspitzung und Übertreibung wurde bei "Der Hodscha und die Piepenkötter" nicht gespart. Das ist zwar stellenweise recht unterhaltsam, aber vor allem der Absurdität wegen. Nur ist es leider nicht der Stoff, der abwegig ist, sondern die Ausgestaltung. In der Politsatire präsentiert das Erste ein Sammelsurium an Befindlichkeiten, wie sie in vielen deutschen Kleinstädten nicht erst seit der Flüchtlingskrise heranreifen: stumpfsinnige islamfeindliche Parolen ("Kartoffel statt Döner") treffen auf eine Abschottungsmentalität extrem konservativer Muslime ("Die Deutschen sind böse"). Im Zentrum wird Wahlkampf gemacht.

In der fiktiven Kleinstadt Lautringen in Nordrhein-Westfalen soll die muslimische Gemeinschaft nicht länger in einem notdürftigen Hinterhof beten müssen. Aber der Bau einer Moschee passt den meisten Einwohnern gar nicht. Da entstehe eine "potenzielle Islamistenfabrik", wird im Stadtrat gewettert. Die Ängste der Bürger werden zum Wahlkampfthema. Bürgermeisterin Ursel Piepenkötter (Anna Stieblich), will wiedergewählt werden. Gegen den Bau der Moschee hat sie eigentlich nichts einzuwenden, bis ihr innerparteilicher Kollege Schadt (Fabian Busch) die Gelegenheit nutzt, sich gegen die Moscheegemeinde zu positionieren und sich unerwartet selbst als Bürgermeisterkandidat ins Spiel bringt.

Um ihre Wähler nicht zu vergraulen, sucht nun auch Ursel Piepenkötter nach einer Möglichkeit, den Moscheebau kurzfristig zu verhindern. Doch der neue Hodscha, der Islamgelehrte der Gemeinde (Hilmi Sözer), ist nicht nur großer Bruce- Springsteen-Fan, sondern auch sehr wortgewandt, raffiniert und diplomatisch - und ihr somit viel näher, als sie sich vorgestellt hat. Dazu hat er noch eine schöne Tochter (Yeliz Simsek), die dem gleichaltrigen Sohn der Bürgermeisterin (Damian Hardung) trotz Kulturunterschieden - die gläubige Muslima verschleiert ihr Haar - den Kopf verdreht. Beinahe neckisch stehen sich im Interessenkonflikt um den Bau der Moschee und die Stimmen der Wähler nun der Hodscha und Ursel Piepenkötter gegenüber. Sie greifen zu unfairen Mitteln, bis ihre Kinder sie aufrütteln.

"Der Hodscha und die Piepenkötter", ARD, 20.15 Uhr

Quelle: RP
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