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"Dead Man Working"
Zwischen Geld und Gewissen

Frankfurt. Ein düsterer Thriller um Doppelmoral wirft einen kritischen Blick auf die ambivalente Welt der Investmentbanken. Von Heide-Marie Göbbel

Keiner inszeniert die Implosion geschlossener Finanzsysteme so eindrucksvoll wie der Regisseur Marc Bauder. Nach dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Der Banker - Master of the Universe" legt er mit "Dead Man Working" ein weiteres Drama über Investmentbanker vor, diesmal als Spielfilm. Die ARD strahlt den doppelbödigen Thriller morgen um 20.15 Uhr aus.

In der Geschichte von Dörte Franke und Khyana el Bitar (Drehbuch) geht es um den Tod eines Managers, der sich am Tag seines größten Erfolges vom Dach der Frankfurter Bankenzentrale stürzt. War es Selbstmord oder Mord? Assistent und Witwe ermitteln, sehr zum Missfallen des Vorstands. Als sie die Wahrheit entdecken, müssen auch sie sich zwischen Geld und Mitmenschlichkeit entscheiden.

"Dead Man Working" beginnt dunkel und geheimnisvoll. In einer kurzen Rückblende sieht man einen Toten auf dem nächtlichen Pflaster liegen. Am Morgen danach strömen wie immer die Menschen durch die Glastüren in die beiden Türme der "Bank der Deutschen". Doch in den oberen Etagen herrscht Unruhe. Die Nachrichten kennen nur ein Thema: den Sturz des gefeierten Investment-Managers Jochen Walther (Wolfram Koch) vom Hochhausdach. Der Aktienkurs beginnt zu fallen, und die Witwe Nora Walther (Jördis Triebel) erhebt in einem Interview schwere Vorwürfe gegen Bank-Vorstand Wilfried von Bensen (Manfred Zapatka). Der ist sich keiner Schuld bewusst und verkündet unbeirrt seine These, dass die Bank seit der letzten Krise einen "Kulturwandel" vollzogen habe. Walthers Witwe und sein Assistent Tom Slezak (Benjamin Lillie) suchen nach einer Erklärung für den Freitod und können nicht glauben, dass der Tote keine Nachricht hinterlassen hat.

Hinter den Glitzerfassaden der Vorstandsetagen beginnt ein düsteres Intrigenspiel, erlesen inszeniert vor den großen Panoramafenstern der Türme und dem Blick über die Frankfurter Skyline. Jeder misstraut jedem. Als es dem jungen Assistenten schließlich gelingt, von Bensen in die Enge zu treiben, lädt ihn dieser überraschend ins Restaurant ein, wo er Slezak vor eine perfide Wahl stellt.

Insgesamt gelang den Machern ein bewegender und elegant inszenierter Thriller um eine Zukunft, in der die Menschen ihre Werte nicht mehr respektieren und an der eigenen Geldgier zerbrechen.

"Dead Man Working" - der Titel ist angelehnt an den US-Spielfilm "Dead Man Walking" - ist Teil der ARD-Themenwoche "Zukunft der Arbeit". Auf den Spielfilm folgt um 21.45 Uhr die Dokumentation "Tod eines Managers. Der Fall Wauthier", in der es um rätselhafte Freitode in der Zürich-Versicherung geht, die auch den Recherchen zugrunde liegen. Die Themenwoche dauert noch bis Samstag, 5. November, an und endet mit der Deutschland-Reportage: "Berufsrisiko Tod - wenn Arbeit das Leben kosten kann" und dem abendlichen Wirtschafts-Thriller "Tödliche Geheimnisse", in dem es um die Abgründe der TTIP-Verhandlungen geht.

Die Themenwoche ist zu empfehlen, auch wenn es dabei überwiegend um den Ausblick auf eine technologische Zukunft geht, die auf künstlicher Intelligenz basiert. Die Entwicklung "natürlicher" bio-organischer Faktoren wie des Menschen kommt ein bisschen zu kurz.

"Dead Man Working", Das Erste, Mi., 20.15 Uhr.

(kna)
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