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München
Zwischen Wahn und Alpenidyll

München. In "Die Tote aus der Schlucht" bekommt es Kommissarin Landauer mit der Vergangenheit zu tun.

Nach einer Stunde wird es zum ersten Mal laut: Auf einem Friedhof schreit Kommissarin Susanne Landauer (Rosalie Thomass) ihren Vater an. Den Tod ihrer Mutter habe er vorgegaukelt, einen leeren Sarg unter die Erde bringen lassen und seine Frau in eine Psychiatrie abgeschoben, wirft sie ihm vor. Da hat ein Bagger gerade das Grab freigeschaufelt. Vater Landauer greift zum Spaten, rammt ihn ins morsche Holz. Im Sarg: ein Skelett.

Es ist eine von mehreren Wenden im ZDF-"Fernsehfilm der Woche". Wie für einen Krimi üblich, ist in "Die Tote aus der Schlucht" nach anderthalb Stunden fast nichts mehr so, wie es zwischendurch mal schien. Dafür spricht das Geständnis eines Sanatorium-Mitarbeiters schon nach etwa einem Drittel Sendezeit. Er hatte die Handfesseln einer Patientin gelöst, die Frau schlich aus dem Gebäude und stürzte in einer Schlucht in den Tod.

Kommissarin Landauer fährt zum Ermitteln extra von München in die oberbayerische Provinz, die ihr nur allzugut vertraut ist - sie wuchs hier auf. Doch die Vergangenheit holt sie ein: Schnell stellt sich heraus, dass die Tote die biologische Mutter der Polizistin ist. Nach Jahren nimmt Landauer wieder Kontakt zu ihrem Vater auf, und ihre Nachforschungen wirbeln das ganze Alpendorf auf.

Die Autoren Andreas Dirr und Christoph Busche vermengen Krimi mit Familienproblemen, klaren Verstand mit Apathie und Wahnsinn. Und scheinbar schöne heile Welt mit der Verschrobenheit, die zum Klischee abgeschiedener Bergdorfbewohner passt, die ihre ganz eigenen Lösungen für Probleme finden. Während das Tempo der Ermittlungen am Anfang des Films gut zur ruhigen Alpenatmosphäre passt, überschlagen sich am Ende die Ereignisse. Im Sanatorium fällt ein tödlicher Schuss.

Thomass muss eine Kommissarin spielen, die mit Widersprüchen kämpft: Sie wird von Halluzinationen heimgesucht. Zudem muss sie ihrem Vater erklären, dass sie eine Frau liebt. Etwas viel auf einmal - ganz so wie die Auflösung aller Zusammenhänge. Die sind am Ende zwar plausibel, aber alles andere als Alltag.

"Die Tote aus der Schlucht", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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