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Helsinki
Finnland will bis 2020 die Schulfächer abschaffen

Helsinki. Finnlands Schulsystem gilt als Vorbild. In den Pisa-Studien erreicht das Land stets Spitzenplätze. Vor allem, weil schwache Schüler motiviert und mitgezogen werden. Nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase findet nun eine kleine Revolution in den Unterrichtsräumen aller Klassen des Landes statt. Den Finnen gilt die Einteilung des Lehrstoffes in Fächer wie Mathematik, Erdkunde und Geschichte als veralteter Ansatz. Schrittweise will man sich von den klassischen Schulfächern verabschieden. Stattdessen sollen Lehrer in fachübergreifenden Projekten, die unterschiedliche "Phänomene" untersuchen, die Schüler unterrichten. Das gilt von Klasse eins bis zwölf. Von André Anwar

Bis 2020 will man die Schulfächer abschaffen. Dabei gibt es zwei Wege, Phänomene für den Unterricht festzulegen. "Zum einen haben wir Schüler befragt, welche Themengebiete sie gern untersuchen wollen. Häufig haben sie Liebe, Freundschaft oder Smartphone gewählt. Bei der zweiten Herangehensweise wählen Lehrer die Themen aus", sagt Kyllönen.

In einigen Schulen in der Region Helsinki finden sich auf den Stundenplänen schon heute mehrheitlich Projekte und kaum Schulfächer. "Der Übergang soll fließend laufen, ohne zu großen Druck auf Lehrer und Schüler. Einige Lehranstalten haben die Fächer schon vom Stundenplan genommen, andere beginnen gerade erst mit ein bis zwei fachübergreifenden Projekten im Jahr", erklärt Marjo Kyllönen vom Schulamt Helsinki.

Die Projekte würden dazu führen, dass die Schüler flexibler und ergebnisorientierter denken und handeln lernen als zuvor. "Die Bedürfnisse im komplexer gewordenen Arbeitsmarkt sind heute nicht mehr dieselben wie im vergangenen Jahrhundert", so Kyllönen. Auch für die Lehrer sei es spannend, weil die Fachrichtungen viel mehr miteinander arbeiten müssten.

Die Erfahrungen aus Pilotprojekten hätten gezeigt, dass etwa Schüler, die schlecht in Mathematik waren, sich durch den fachübergreifenden Unterricht deutlich verbessern konnten. Sie waren motivierter, weil sie einen Sinn in dem sahen, was sie lernten, so Kyllönen. Das Lernen anhand von Phänomenen würde dabei allen Schülern, egal wie begabt sie seien, gleichermaßen gerecht. In einem nächsten Schritt sollen dann die alten Benotungssysteme verschwinden.

Quelle: RP
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