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Nettetal
Flüchtlinge helfen bei Scheich-Picknick

Nettetal. Das Nettetaler Picknick des Staatsoberhaupts aus Dubai haben Flüchtlinge mit vorbereitet. Die Stadt hatte die Freiwilligen rekrutiert, nachdem Aufbauhelfer fehlten. Bezahlt wurden sie für diese Aufgabe nicht. Von Leslie Brook, Henning Rasche und Birgitta Ronge

Der Anruf geht am 19. Juli bei der Stadt Nettetal ein. Die von Scheich Muhammad bin Raschid al-Maktum beauftragte Event-Agentur hat nicht genügend Mitarbeiter, um das zwei Tage später stattfindende Picknick für das Staatsoberhaupt auszurichten, und bittet die niederrheinische Kommune um Unterstützung. "Wenn wir in einer Notlage helfen können, machen wir das", sagt Nettetals Erster Beigeordneter, Armin Schönfelder gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Bei der Stadt sei daraufhin die Idee entstanden, Flüchtlinge aus einer Notunterkunft zu fragen, ob einige von ihnen auf freiwilliger Basis bei der Ausrichtung des Picknicks mitwirken würden. "Denn wir wissen von unseren ehrenamtlichen Kräften in den Unterkünften, dass viele der Bewohner dankbar sind für eine Möglichkeit, sich zu betätigen. Viele von ihnen langweilen sich und freuen sich über einen Tapetenwechsel", erklärt Schönfelder. Die von der Agentur benötigten knapp zehn Helfer hätten sich schnell gefunden, und es habe sogar etliche weitere gegeben, die das Angebot gerne wahrgenommen hätten.

Der Herrscher des Emirats Dubai war vor rund zwei Wochen mit einem 25-köpfigen Tross angereist und hatte in einen gesperrten Bereich an den Krickenbecker Seen ein Picknick unter Zelten veranstaltet. Das hatte bereits für Kritik gesorgt. Denn das rund 75 Minuten dauernde Zusammentreffen fand im Naturschutzgebiet statt, und die Gruppe grillte bei 32 Grad auf offenem Feuer. Der Boden war pulvertrocken und das Gelände leicht entflammbar. Mitarbeiter der Stadt hatten das Gebiet vorher gereinigt und drei Pagodenzelte errichtet.

Die Stadt habe die Flüchtlinge am Morgen des 21. Juli mit einem Kleinbus zum Veranstaltungsort gefahren und später wieder abgeholt. Wie viele Stunden die Helfer genau tätig waren, blieb gestern offen. Ein Betreuer von Seiten der Stadt sei nicht vor Ort geblieben, der Rest habe in den Händen der Agentur gelegen, so Schönfelder. Es sei vereinbart gewesen, dass die Männer für ihre Mithilfe mit Essen und Getränken versorgt, nicht jedoch mit Geld entlohnt werden. Schönfelder betont, dass es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um "eine Gefälligkeit" gehandelt habe, "denn die Flüchtlinge dürfen nicht entgeltlich arbeiten", stellt er klar.

Für Hajo Siemes, den Vorsitzenden der Wählergemeinschaft WIN ("Wir in Nettetal"), wirft der Scheich-Besuch viele Fragen auf. Zwar habe der Erste Beigeordnete in einer E-Mail zwar nach dem Besuch die Fraktionsvorsitzenden und den Ältestenrat der Stadt informiert, doch nicht die Öffentlichkeit. Aus Sicherheitsgründen sei es verständlich, dass die Bürger vorab nicht informiert würden, so Siemes - doch nach der Abreise des Scheichs hätte der Besuch publik gemacht werden müssen. Darüber hinaus müsse man fragen, ob die Stadt keine landschaftsschutzrechtliche Befreiung beim Kreis Viersen beantragte, warum es also keine Genehmigung für das Picknick im Naturschutzgebiet gab. Laut Stadt habe es sich um eine "vertretbare Duldung" gehandelt.

Auch den Einsatz der Flüchtlinge sieht die Wählergemeinschaft kritisch: Siemes möchte unter anderem von der Stadt wissen, ob die Flüchtlinge wussten, wer sich angekündigt hatte, ob die Flüchtlinge versichert gewesen seien und auch beim Abbau geholfen hätten.

Quelle: RP
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