Zuvor vom Radar verschwunden: Flugzeugabsturz in Taiwan
zuletzt aktualisiert: 25.05.2002 - 18:09Taipeh (rpo). Eine taiwanesische Boeing 747-200 mit 225 Menschen an Bord ist am Samstag knapp 40 Minuten nach dem Start von Taipeh ins Meer gestürzt. Mehr als 100 Leichen wurden bis zum Abend an der Absturzstelle nahe den Pescadores-Inseln (Penghu) in der Taiwan- Straße gefunden.
Der Jumbo-Jet der taiwanesischen Fluggesellschaft China Airlines war auf dem Weg nach Hongkong. Die Ursache des Absturzes war bis zum Abend noch völlig unklar. Das Verkehrsflugzeug gehörte zu den ältesten Maschinen der China Airlines und sollte bald ausgemustert werden.
Es gab keine Hinweise, dass einer der 206 Passagiere und 19 Besatzungsmitglieder das Unglück überlebt hat. Im Absturzgebiet südwestlich von Taiwan schwammen Wrackteile, Leichen, Schwimmwesten und Ölflecken auf dem Meer. Dem Absturz war kein Notsignal vorausgegangen. Bauern an der Küste sahen zerrissene Zeitungen, Magazine und Schaumstoff vom Himmel fallen. Der Fund in der Küstengemeinde Changhwa löste in den taiwanesischen Medien Spekulationen über eine mögliche Explosion aus.
Der Flug sei bis zum Verschwinden der Maschine vom Radarschirm völlig normal verlaufen, hieß es von der Luftfahrtsicherheitsbehörde. Das Flugzeug war um 14.50 Uhr (Ortszeit) vom internationalen Chiang Kai-shek-Flughafen in Taipeh zum Flug CI 611 gestartet. Um 15.28 Uhr sei es dann nordöstlich der Pecadores-Inseln vom Radar verschwunden, berichtete Vizetransportminister Chang Chia-chu.
Flugzeug sollte verkauft werden
Nach Angaben der China Airlines sollte das 23 Jahre alte Flugzeug aus Altersgründen an eine Fluggesellschaft in Thailand verkauft werden. Der Vertrag war bereits besiegelt. Die Lieferung sollte in naher Zukunft erfolgen.
An der Suche nach Opfern und dem Wrack beteiligten sich auch Militärflugzeuge, Marineschiffe und Helikopter. Die Wetterbedingungen waren gut. Die Fluggesellschaft flog Angehörige auf die Penghu- Inseln. An Bord des Jumbos seien vor allem Taiwanesen gewesen, darunter drei Reisegruppen auf dem Weg nach China, berichtete der Vizetransportminister. Auch seien 15 Bürger aus Hongkong, Macao und der Volksrepublik China, ein Schweizer, ein Singapurianer und zwei taiwanesische Frauen mit australischer Staatsbürgerschaft unter den Passagieren gewesen. Für Angehörige der Opfer aus Hongkong wurde am dortigen Flughafen ein Betreuungszentrum eingerichtet.
Die Strecke zwischen Taiwan und Hongkong wird mit mehr als 30 Flügen täglich häufiger geflogen als andere in Asien. Vor allem Geschäftsleute nutzen die Route über Hongkong und zur Volksrepublik, da es aus politische Gründen keine direkten Flugverbindungen zwischen Festland-China und Taiwan gibt. Der ganze Geschäfts- und Touristenverkehr läuft über die Drehscheibe Hongkong.
Dritter Absturz in Asien in sieben Wochen
Es war bereits der dritte Flugzeugabsturz in Asien in nur sieben Wochen. Am 15. April war eine chinesische Verkehrsmaschine der Air China beim Landeanflug in Busan in Südkorea abgestürzt. Von den 166 Insassen überlebten nur 38. Dann stürzte am 7. Mai vor der Küste der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian ein Flugzeug der China Northern Airlines mit 112 Menschen an Bord ins Meer. Der Pilot hatte zuvor ein Feuer in der Kabine berichtet.
Für die nationalchinesische Fluggesellschaft China Airlines war es das dritte große Flugzeugunglück seit 1994. Am 26. April 1994 stürzte ein Airbus A300-600R beim Landeanflug auf den Flughafen von Nagoya in Japan ab. 264 Insassen kamen ums Leben. 203 Menschen starben, als ein Airbus A-300 mit Urlaubern von der Ferieninsel Bali am 16. Februar 1998 bei der Landung auf dem internationalen Flughafen von Taipeh abstürzte.
Die Abstürze hatten die taiwanesische Fluggesellschaft ins Gerede gebracht. Danach wurden organisatorische Änderung vorgenommen und mehr Gewicht auf Sicherheitsfragen und Pilotentraining gelegt.
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