Flucht vor Militärdienst: Flugzeugentführer will Asyl in Italien
zuletzt aktualisiert: 03.10.2006 - 18:02Brindisi (rpo). Nach nur wenigen Stunden ist eine Flugzeugentführung von Griechenland nach Italien am Dienstag ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Der Luftpirat, der eine türkische Passagiermaschine mit mehr als 100 Menschen an Bord im griechischen Luftraum in seine Gewalt gebracht hatte, ergab sich nach der Landung in Brindisi den Behörden.
Bei dem Flugzeugentführer handele es sich um einen Türken, der dem Militärdienst entgehen wolle und deshalb Asyl in Italien suche, erklärte am Abend der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler. Der Mann stellte sich schließlich den Sicherheitskräften. Die 107 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder kamen unverletzt frei.
Bei dem Kidnapper handele sich um den 28-jährigen Hakan Ekinci, dem in der Türkei wegen Desertion Haft drohte, sagte der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, dem Fernsehsender CNN-Türk. Er habe die Piloten offenbar geblufft, indem er ihnen von Komplizen berichtet habe. Die italienischen Behörden ermittelten nun, ob Ekinci tatsächlich allein gehandelt habe. Auch der Turkish-Airline-Generalsdirektor Temel Kotil ging von einem Einzeltäter aus.
Die Entführung löste zunächst Spekulationen aus, der Luftpirat wolle eine Botschaft an Papst Benedikt XVI. aussenden und möglicherweise gegen dessen geplanten Besuch in der Türkei protestieren. Gouverneur Güler und das türkische Verkehrsministerium erklärten hingegen, die Tat habe nichts mit dem Papst-Besuch zu tun. Der Flugzeugentführer hatte bereits zuvor Asyl in Albanien beantragt, was aber abgelehnt wurde.
Die Maschine der Turkish Airlines befand sich auf dem Flug von Tirana in Albanien nach Istanbul, als der Mann ins Cockpit eindrang und eine Kursänderung nach Italien verlangte. Der Pilot der Boeing 737-400 setzte daraufhin über dem griechischen Luftraum einen Notruf ab. Er berichtete, er habe zwei Personen an Bord, "die nach Italien wollen, um den Papst zu sehen und ihm eine Botschaft zu überbringen".
Der 28-jährige Luftpirat hatte nach Berichten der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu bereits im August an Papst Benedikt geschrieben und ihn um Hilfe gebeten, damit er seinen Militärdienst nicht ableisten müsse. Andere türkische Medien berichteten, der Mann sei vom Islam zum Christentum konvertiert.
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