Türke wollte zu Vater nach Deutschland fliegen: Flugzeugentführung in Athen beendet
zuletzt aktualisiert: 29.03.2003 - 17:50Athen (rpo). Unblutig ist am Smastag die Entführung einer türkischen Passagiermaschine beendet worden. In Athen gab der 20-jährige Entführer auf.
Das griechische Verkehrsministerium erklärte, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe den 20-jährigen Entführer nach fünf Stunden telefonisch zur Aufgabe überredet. Der Mann wollte mit dem Airbus zu seinem Vater nach Berlin fliegen. Er hatte im Cockpit erklärt, er trage Plastiksprengstoff bei sich, und bedrohte den Kopiloten mit einer Rasierklinge.
Özgür Gencarslam, ein türkischer Kriegsdienstverweigerer, hatte den Airbus A310 auf einem Inlandsflug 25 Minuten nach dem Start in Istanbul in seine Gewalt gebracht. Medienberichten zufolge litt er unter Familienproblemen. Sein Stiefvater soll ihm verboten haben, Mutter und Schwester in der Provinz Erzurum zu besuchen. Er wurde verhaftet, nachdem alle Geiseln das Flugzeug verlassen hatten. Die Türkei kündigte an, sie wolle seine Auslieferung beantragen.
Der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim sagte, Erdogan habe den Luftpiraten am Telefon beschwichtigt: "Wir haben einen väterlichen und verständnisvollen Weg benutzt, um ihn zur Aufgabe zu überzeugen." Eine Aufzeichnung der Gespräche zwischen Pilot und Kontrollturm in Athen wurde vom griechischen Sender Mega ausgestrahlt: "Wir verhandeln", sagte der Pilot, nachdem er über das Eintreffen einer Antiterroreinheit auf dem Athener Flughafen informiert wurde. "Mit wem?" fragte der Tower. "Mit unserem Ministerpräsidenten", antwortete der Pilot.
Der Luftpirat hatte die Maschine auf dem Flug nach Ankara mit der Drohung in seine Gewalt gebracht, er trage Plastiksprengstoff am Körper und werde diesen zünden, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. Tatsächlich hatte er fünf in Papier gewickelte Kerzen bei sich, wie der griechische Polizeichef Lefteris Economou erklärte. Die Passagiere flogen am Samstagmorgen zurück nach Ankara, wo sie von ihren Angehörigen mit großer Erleichterung empfangen wurden.
Die griechische Luftwaffe hatte zunächst Kampfflugzeuge vom Typ F-16 aufsteigen lassen, um eine Landung der entführten Maschine in Griechenland zu verhindern. Weil das Flugzeug nach Angaben des Piloten aber kaum noch Treibstoff gehabt habe, habe man kein Risiko eingehen wollen, sagte ein Regierungssprecher.
Viele Passagiere telefonierten während der Geiselnahme mit Mobiltelefonen in die Heimat. Es gebe keine Panik an Bord, berichtete Kaan Sahinalp dem türkischen Fernsehsender TV 8. Unter den Passagieren waren nach türkischen Medienberichten drei Parlamentsabgeordnete und ein ehemaliger Wirtschaftsminister.
Der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, sagte, der Entführer scheine keine Verbindung mit einer terroristischen Organisation zu haben: "Er scheint eher ein Abenteurer zu sein oder jemand, der Depressionen wegen Familienproblemen hat."
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