Zwei Männer mit Schusswaffen und Messern bewaffnet: Flugzeugentführung oder Sicherheitstest?
zuletzt aktualisiert: 27.09.2002 - 19:59Frankfurt/Main (rpo). Eine angeblich versuchte Flugzeugentführung auf dem Frankfurter Flughafen war offenbar ein Sicherheitstest. Das erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin.
"Wir gehen davon aus, dass es nur ein Sicherheitstest gewesen sein kann", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Freitag in Berlin zu dem Vorfall vom vergangenen Samstag auf dem Frankfurter Flughafen. Er habe aber keinerlei Informationen über die angeblichen Kontrolleure. "Wir wissen es nicht", sagte der Sprecher der dpa. Die Polizeibehörden am Flughafen, Lufthansa, Bundesgrenzschutz (BGS) und Staatsanwaltschaft zeigten sich nicht über den Test informiert.
Zwei bewaffnete Männer hatten einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge auf dem Vorfeld versucht, an Bord des Lufthansa-Airbus LH 686 nach Tel Aviv zu gelangen. Ein privater Sicherheitsmann habe die zwei mit einem Messer und einer Spielzeugpistole Bewaffneten direkt am Flugzeug überprüft und aufgehalten. Sie hätten daraufhin behauptet, dass es sich um einen Sicherheits-Check handele, und seien mit zwei weiteren Begleitern in einem Wagen der Flughafengesellschaft Fraport unerkannt davon gefahren. Einer habe einen Polizeiausweis gezückt.
Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow sagte, sein Unternehmen sei nicht - wie sonst in ähnlichen Fällen üblich - über einen Sicherheitstest informiert worden. Lufthansa gehe daher davon aus, dass weiter gegen Unbekannt ermittelt werde. Nach Vermutung des Verkehrsministeriums handelte es sich um einen "Test, wie er seit Monaten noch häufiger vorgenommen wird, nachdem einige Fernsehmagazine versucht haben, Waffen oder Ähnliches in Flugzeuge zu schmuggeln". Beim BGS hieß es allerdings, seit Samstag seien alle in Frage kommenden Behörden ohne Ergebnis abgeklopft worden, da schon der Wachmann die Vermutung eines Tests geäußert hatte. Der Mann sei nach mehreren Vernehmungen als Wichtigtuer eingestuft worden, da seine Schilderungen nicht von anderen Zeugen oder Sachbeweisen gestützt wurden. BGS-Beamte waren nach Angaben des Bundesinnenministeriums nicht an der Aktion beteiligt. Solche Tests könnten aber auch von den Fluggesellschaften selbst oder von den Landespolizeien vorgenommen werden. Dies wurde von der Lufthansa wie auch von der Frankfurter Polizei verneint.
In Sicherheitskreisen wurde der israelische Geheimdienst als möglicher Urheber der Aktion genannt. Er überwacht alle Flüge der israelischen Gesellschaft El Al. Die Sicherheitsvorkehrungen für Verbindungen nach Israel und in die USA sind weitaus schärfer als die für die übrigen Flüge. Verbandsvertreter der Piloten und Flugbegleiter verlangten erneut schärfere Sicherheitskontrollen für das Bodenpersonal. "Wir wollen, dass alle auf dem Vorfeld genauso scharf kontrolliert werden wie die Crews und die Passagiere", erklärte Georg Fongern, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit.
Die fehlenden täglichen Überprüfungen des Bodenpersonals seien eine der krassesten Sicherheitslücken an den deutschen Flughäfen. Dies sei auch von Recherchen des Fernsehsenders RTL belegt worden, sagte Peter Jacobus, Sprecher der Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO). Im RTL-Auftrag hatte eine türkische Putzfrau mit unklaren Personalpapieren Bombenattrappen in verschiedenen Fliegern deponiert. Zudem stelle sich die Frage, wie die Männer mit ihren Waffen überhaupt bis zum Flugzeug gelangen konnten. Eigentlich hätten die Waffen beim Betreten des Sicherheitsbereichs erkannt werden müssen.
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