15 Passagiere auf dem Weg nach Syrien verletzt: Flugzeugentführung vereitelt
zuletzt aktualisiert: 06.07.2000 - 13:12Amman (AP). Der Flug einer Passagiermaschine von Amman nach Damaskus ist am Mittwochabend nur knapp einer Katastrophe entgangen. Kurz nach dem Start der Maschine versuchte ein Syrer, das Flugzeug nach Deutschland zu entführen, wie die jordanische Luftfahrtbehörde mitteilte. Bei einem Schusswechsel wurde der Luftpirat getötet. Zuvor zündete er aber noch eine Handgranate, bei deren Detonation 15 Menschen verletzt wurden. Nach dem Vorfall kehrte der Airbus A320 sicher nach Amman zurück.
An Bord der Maschine, in der sich 84 Fluggäste und zwölf Besatzungsmitglieder befanden, spielten sich laut Augenzeugen während des Vorfalls dramatische Szenen ab. Der Entführer Mahmud Risk Deeb schrie auf seinem Weg zum Cockpit eine Stewardess an, zog dann eine Schusswaffe und feuerte ziellos um sich. Bevor Sicherheitskräfte Deeb erschossen, zündete er eine Handgranate, die durch den Gang rollte und bei der Detonation ein Loch in den Boden riss. "Es gab eine Explosion und dann Panik" erinnerte sich die 26-jährige syrisch-amerikanische Hausfrau Abeer Bittar, die von Granatsplittern verletzt wurde.
Der Vorfall dauerte nach dem Bericht eines Zeugen etwa vier Minuten. Die Sicherheitskräfte, die routinemäßig auf allen Flügen der Fluggesellschaft Royal Jordanian mitfliegen, vernahmen noch während des Rückflugs drei andere Syrer, unter anderem den Bruder des Luftpiraten. Sie wurden später auf freien Fuß gesetzt. Die 15 Verletzten, die aus verschiedenen arabischen Staaten stammen, wurden nach der Landung medizinisch versorgt. Zwei von ihnen mussten operiert werden, darunter ein fünfjähriger Junge, in dessen Bauch ein Splitter eindrang. Er war aber nicht in kritischem Zustand.
Deeb stammte aus der syrischen Stadt Tartus, wie Informationsminister Taleb Rifai mitteilte. Er war am Dienstag aus Syrien mit seinem Bruder und zwei Kindern im Alter von drei und fünf Jahren nach Jordanien eingereist. Er wollte laut Rifai in Deutschland politisches Asyl beantragen. Den Angaben zufolge hatte die deutsche Botschaft in Syrien dem Mann erst vor kurzem ein Visum verweigert. Er hatte zuvor schon in Deutschland gewohnt und als Mechaniker gearbeitet.
Aus jordanischen Regierungskreisen verlautete, der Mann habe in Syrien wegen eines Verbrechens im Gefängnis gesessen. Das syrische Innenministerium äußerte sich nicht zu dem Zwischenfall. Die jordanische Luftfahrtbehörde wollte Ermittlungen dazu einleiten, wie Deeb mit den Waffen an Bord gelangen konnte.
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