Gefahr der Jahrhundertflut ist nicht gebannt: Flutwelle bedroht Bitterfeld
zuletzt aktualisiert: 08.09.2002 - 14:18Bitterfeld/Dresden/Hannover (rpo). Die Gefahr der Jahrhundertflut ist nicht gebannt. Bitterfeld wird weiter von Überflutungen bedroht. Ein Abrutschen einer Böschung könnte eine Flutwelle auslösen und große Teile der Stadt unter Wasser setzen. Das sagte ein Sprecher der Einsatzleitung am Sonntag.
Der Katastrophenalarm besteht fort. Auf der weitgehend wieder normal fließenden Elbe dampfen unterdessen wieder Ausflugsschiffe.
Viele Bitterfelder konnten noch nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Bausubstanz vieler Häuser ist gefährdet. Ein Sandsack-Damm am Goitzsche-See bleibt vorerst bestehen. Zudem stand noch in vielen Kellern das Grundwasser zwischen 30 und 70 Zentimeter. Das Krankenhaus bleibe bis auf weiteres evakuiert, hieß es.
Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac drückte Deutschland das "große Mitgefühl" seines Landes wegen des Hochwassers aus. "Wir haben mit Deutschland gefühlt in den schwierigen Zeiten, die das Land in der Flutkatastrophe durchgemacht hat", sagte er am Samstagabend nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Hannover.
Ins Dessau-Wörlitzer Gartenreich in Sachsen-Anhalt kamen unterdessen am Samstag die ersten Besucher seit der Flut. Das Gewässersystem des Parks musste weiter mit Pumpen und Umwälzsystemen vor einem Umkippen durch eindringende Fäkalienbrühe bewahrt werden. Die gesamten Hochwasserschäden in dem zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Gartenreich wurden auf 6,9 Millionen Euro geschätzt. Entlang der Elbe wurden nach einer Bilanz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz insgesamt 115 Baudenkmäler, darunter die Semper-Oper in Dresden, 18 Kirchen und mehr als 70 Bürgerhäuser, beschädigt.
Bei Lauenburg (Schleswig-Holstein) kehrte die Elbe in ihr eigentliches Flussbett zurück. Lediglich eine Uferpromenade stand noch einige Zentimeter unter Wasser. Flussaufwärts befindet sich die Flotte der Elbdampfer wieder auf großer Fahrt. In Sachsen waren fast alle Anlegestellen der Raddampfer wieder einsatzbereit. Von Bord aus sahen sich viele die betroffenen Gebiete etwa in der Sächsischen Schweiz an.
In der Debatte um einen sich weiter verschärfenden Klimawandel als Auslöser der Überschwemmungen sind neue Anzeichen auch für den Südwesten Deutschlands bekannt geworden. Das sagte die Chefin der baden-württembergischen Landesanstalt für Umweltschutz (LfU), Margareta Barth, im Stuttgarter "Staatsanzeiger". So habe die Apfelblüte und damit der Beginn des Frühjahrs in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich zehn Tage früher eingesetzt als in der Zeit zwischen 1960 und 1990. Wärmeliebende Pflanzen und Tiere siedelten sich verstärkt an.
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