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Bergisch Gladbach
Frankfurter ist "Koch des Jahres"

Bergisch Gladbach. Andreas Krolik hat die Tester des "Gault&Millau" mit seiner Gemüseküche überzeugt. Der Restaurantführer würdigt zudem den Mut der deutschen Köche zur Reduktion auf das Wesentliche, die Zeiten des "Teller-Ikebana" seien vorbei. Von Martina Stöcker

Beim Kochen hört Andreas Krolik am liebsten Hard Rock, seine Küche ist geprägt durch den Obst- und Gemüsegarten der Familie - und nun hat ihn der Restaurantführer "Gault&Millau" zum "Koch des Jahres" gekürt, auch weil der 42-Jährige ein besonderes Händchen für Gemüse hat. Der mit 18 Punkten im "Gault&Millau" und zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Frankfurter bietet als einziger auf diesem Niveau in seinem Restaurant "Lafleur" seit einigen Jahren auch ein veganes Menü an. Das wird mittlerweile von jedem vierten Gast geordert. "Ich habe gesagt, ich mache das - aber nur, wenn derselbe Geschmack auf den Tisch kommt wie in der konventionellen Küche", sagt Krolik. Abstriche bei der Kreativität oder beim Geschmack dürfe es nicht geben.

Seine Kochkunst hat die Tester überzeugt, die für die neue Ausgabe rund 900 Adressen beschrieben und bewertet haben. "Er bietet jedem Gast das Optimum an Geschmack und profiliert sich dabei nicht nur als feinfühliger Aromenjongleur, sondern auch als einer der besten Gemüseköche Deutschlands", hieß es in der Begründung. Thomas Schanz vom "Schanz" in Piesport an der Mosel wurde als "Aufsteiger des Jahres" gekürt, Felix Schneider vom "Sosein" in Heroldsberg bei Nürnberg als "Entdeckung des Jahres". Gestern Abend wurden die Köche in Bergisch Gladbach bei der Vorstellung des Restaurantführers geehrt.

Auch in NRW ist die Spitzengastronomie zu Hause: Sascha Stemberg und Christof Lang wurden als NRW-Aufsteiger des Jahres ausgezeichnet und bekamen 17 Punkte. Das Velberter "Haus Stemberg anno 1864" überzeuge mit einem Mix aus regionalen Schmankerln, deftiger Hausmannskost und feinen Gourmetgerichten, das Aachener "La Bécasse" mit französischer Hochküche mit einigen modernen Einsprengseln, lobten die Tester.

Unangefochten an der Spitze im Land steht aber Joachim Wissler ("Vendôme") in Bergisch Gladbach, er ist schon seit zehn Jahren die Nummer eins. Er beeindruckt die Jury regelmäßig mit seinem komplexen Geschmacksuniversum - und gebe sich unbeeindruckt von kulinarischen Trends, verkrampfter Stilistik und hyperkreativer Waghalsigkeit, urteilte die Jury. Joachim Wissler, der in seinem Haus mit Marco Franzelin auch den "Sommelier des Jahres" hat, wurden 19,5 Punkte zugedacht, damit spielt er national in einer Liga mit Klaus Erfort ("GästeHaus"/Saarbrücken), Christian Jürgens ("Überfahrt"/Rottach-Egern), Helmut Thieltges ("Waldhotel Sonnora"/Dreis) und Harald Wohlfahrt ("Schwarzwaldstube"/Baiersbronn).

Besonders viel Qualität sammelt sich in Köln: Es stellt mit 18 Punkten und Eric Menchon im "Le Moissonnier" den zweitbesten NRW-Koch. "Maître im Landhaus Kuckuck" ist mit 17 Punkten geehrt, "Aura by Luis Dias", "Maximilian Lorenz im L'Escalier" und "Pure White" bekommen jeweils 16 Punkte. Die Niederrhein-Perlen sind "Achterath's" in Neukirchen-Vluyn (15), "St. Jacques" in Heinsberg und "Landhaus Köpp" in Xanten (beide 17). In Düsseldorf sind "Nagaya" (17) und "Berens am Kai" (16) bestbewertet.

Doch wie steht es um die deutsche Küche? Gut, sagt der "Gault&Millau". Denn die von New Yorker Köchen propagierte Reduktion auf das Wesentliche scheine sich nach und nach durchzusetzen, loben sie - ebenso wie der Verzicht auf Degustationsmenüs, Teller-Ikebana und Luxusprodukte. "Mehr Gelassenheit in der Küche, mehr Genuss für den Gast", sei das neue Motto. Kritik gibt es auch. So würden Rettich, Steckrübe und Schwarzwurzel zu "kulinarischen Scheinriesen" emporgehoben. Die Tester wollen zudem etwas anderes essen als Fermentiertes und Gepickeltes. Ebenso verzichtbar: das Tannenwipfelaroma und die "auf über Deutschland herabrieselnden Fichtensprossen".

Quelle: RP
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