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Paris
Frankreichs Präsident Hollande begnadigt Mörderin

Paris. Der französische Präsident François Hollande hat die wegen Mordes an ihrem Mann verurteilte Jacqueline Sauvage begnadigt. Er habe von seinem Recht Gebrauch gemacht, teilte der Elysée-Palast gestern mit. Die 66-Jährige könne sofort einen Antrag auf frühzeitige Haftentlassung stellen.

Sauvage hat nach 47 Jahren Ehe-Hölle ihren Mann im September 2012 mit drei Schüssen in den Rücken getötet. Gegen ihre Verurteilung zu zehn Jahren Gefängnis protestierten viele Politiker, Künstler und Frauenorganisationen. Am vergangenen Freitag baten ihre drei Töchter, die ebenfalls geschlagen und teilweise misshandelt wurden, Hollande um Begnadigung. "Unser Vater ist tot, und für mich ist das eine Erleichterung", sagte eine von Sauvages Töchtern. Das Bittgespräch um Begnadigung hatte rund eine Stunde gedauert.

Der Fall der 66-Jährigen, die nach der jahrzehntelangen Ehe-Hölle ihren Mann erschossen hatte, bewegte die Nation. Bei einer Petition kamen mehr als 350.000 Unterschriften zusammen. Die Frau war zu einer Ikone im Kampf gegen häusliche Gewalt geworden. Im Jahr 2014 sollen 134 Frauen von ihren Männern oder Ex-Lebensgefährten getötet worden sein, wie die Anwältin von Sauvage nach dem Urteil im Dezember erklärte. Von den 223.000 Opfern ehelicher Gewalt sollen nur 14 Prozent Klage erhoben haben. Die Richter hätten nichts verstanden, empörte sich die Anwältin.

Für Staatsanwalt Frédéric Chevallier waren drei Schüsse in den Rücken dennoch inakzeptabel. Auf die Gewalt ihres Mannes hätte Sauvage mit einem verhältnismäßigeren Akt reagieren können, erklärte der Jurist. Er sprach im Oktober 2014 von versuchter vorsätzlicher Tötung. Am 3. Dezember wurde das Urteil von einem Schwurgericht bestätigt.

Zu jenen Opfern häuslicher Gewalt gehört auch Alexandra Lange. Zwölf Jahre lang hatte ihr Lebensgefährte sie geschlagen. Im Juni 2009 brachte die damals 32-Jährige ihn schließlich um. Als er versuchte, sie zu würgen, stach sie ihm mit einem Messer in seinen Hals. "Er oder ich", sagte sie damals vor Gericht, das sie am 23. März 2012 freisprach.

Legitime Verteidigung und eine menschliche Antwort auf eine unmenschliche Situation: Argumente, mit denen Künstler, Politiker - darunter Daniel Cohn-Bendit - sowie Frauen- und Menschenrechtsorganisationen Sauvages Haftentlassung verlangt hatten.

(dpa)
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