Beschwerde gegen Berliner Gericht: Friedman: Anwalt spricht von "öffentlicher Hinrichtung"
zuletzt aktualisiert: 19.06.2003 - 14:20Frankfurt/Main (rpo). Der Anwalt des unter Drogenverdacht stehenden Michel Friedman hat schwere Vorwürfe gegen die ermittelnden Behörden erhoben. Besonders die Informationspolitik der Berliner Staatsanwälte gleiche eher einer "öffentlichen Hinrichtung", so der Jurist.
Zudem kritisierte Anwalt Eckhart Hild am Donnerstag das Amtsgericht Tiergarten, das die Hausdurchsuchungen und die Entnahme einer Haarprobe angeordnet hatte. Dies seien massive Eingriffe in die Grundrechte seines Mandanten und es stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit, sagte Hild der AP. Die Staatsanwaltschaft verhängte eine Nachrichtensperre.
Hild sagte, Gegen die Durchsuchungen und die Haarprobe habe er Beschwerde eingelegt. Sollte dem stattgegeben werden, dürften die dabei sichergestellten Beweise in einem späteren Gerichtsverfahren nicht verwertet werden. Hild bestätigte, dass er Akteneinsicht beantragt und auch schon Akten bekommen habe. Noch habe er sie aber nicht vollständig durchsehen können.
Keine weiteren Angaben zu Zwischenergebnissen
Der Berliner Justizsprecher Björn Retzlaff sagte der AP, er werde bis auf weiteres keine Angaben zu Zwischenergebnissen des Ermittlungsverfahrens mehr machen. Auch das Ergebnis der Haarprobe werde er nicht mitteilen, wenn es vorliegt. Dies sei nötig, damit die Staatsanwaltschaft "in Ruhe ihre Arbeit machen kann". In einer Erklärung der Berliner Justiz heißt es, die Ermittlungen gegen Friedman stünden noch am Anfang. Die Staatsanwaltschaft werde dem Tatverdacht weiter nachgehen und ihn überprüfen. Weitere Einzelheiten könnten Spekulationen nähren und den Gang der Ermittlungen gefährden.
Das SWR-Magazin "Report" berichtete unterdessen, dem früheren Büroleiter von Jürgen Möllemann, Hans-Joachim Kuhl, sei im Januar ein Videoband mit angeblichen Sequenzen einer Sex-Orgie angeboten worden, auf dem Friedman zu sehen sein solle. Verschiedene Medien hatten bereits berichtet, dass ein Zuhälter ein Video feilbiete, dass angeblich Friedman in einer verfänglichen Situation zeige. Zudem gibt es Berichte, dass er die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen haben soll, die von einem Menschenhändlerring vermittelt würden.
Video: Ein Mann mit mehreren Frauen
Kuhl sagte dem Bericht zufolge, zwei Männer hätten ihm ein Standbild des Videos gezeigt, auf dem bei sehr schlechter Bildqualität ein Mann und mehrere Frauen zu erkennen gewesen seien, und hätten behauptet, bei dem Mann handele es sich um Friedman. Er habe das Angebot abgelehnt und mit Möllemann darüber gesprochen. Der habe seine Entscheidung mit den Worten kommentiert: "Das war völlig okay."
Möllemann und Friedman hatten vor einem Jahr einen öffentlichen Streit über Antisemitismus-Vorwürfe geführt, der letztlich zum Ende der politischen Karriere Möllemanns führte. Am 5. Juni war Möllemann offenbar bei einem Selbstmord während eines Fallschirmsprungs zu Tode gestürzt.
Merz distanziert sich von Friedman
Unionsfraktionsvize Friedrich Merz distanzierte sich von Friedman als CDU-Politiker. "Ich lese da immer wieder, Friedman sei CDU-Politiker. Das ist natürlich falsch, er war mal zwei Jahre Mitglied des Bundesvorstandes der CDU und ist danach nicht wiedergewählt worden", sagte er nach Angaben des Nachrichtensender N24. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer nahm Friedman dagegen in Schutz und warnte in der "Bild-Zeitung" vor Vorverurteilungen.
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