Fachhochschule Köln präsentiert Ergebnisse ihrer Studie: Führungskräfte haben Angst am Arbeitsplatz
zuletzt aktualisiert: 04.07.2000 - 12:57Frankfurt/Main (AP). Bis zu 90 Prozent aller Führungskräfte gehen täglich voller Angst zur Arbeit, auch wenn sie das niemals zugeben würden. Besonders in den höheren Hierarchie-Ebenen grassiert die Angst - etwa vor dem eigenen Versagen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes infolge von Umstrukturierungen im Unternehmen. Das hat eine Langzeitstudie der Fachhochschule Köln ergeben, über die die Bonner Wirtschaftspublikation "Handbuch für den Vorgesetzten" am Dienstag berichtete. Demnach verursachen solche Ängste jährlich einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als 100 Milliarden Mark.
An oberster Stelle steht die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, wie der Diplom-Betriebswirt Wolfgang Stegmann von der Kölner FH auf Anfrage erklärte. Danach folgen Ängste vor Unfällen und Krankheit, vor Fehlern oder Fehlinformationen sowie vor einem Verlust der Wertschätzung beziehungsweise der Autorität. Die Kosten für die Wirtschaft entstehen laut Studie etwa infolge von Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch von Spitzenkräften, die ihre Ängste kaschieren wollen. Allein 20 Milliarden Mark Verluste ergeben sich daraus, dass die Betroffenen nach der Einnahme von Beruhigungsmitteln in ihrer Leistungsfähigkeit um 20 Prozent gemindert sind. Die Kosten für das Gesundheitswesen sind in dieser Kalkulation noch gar nicht erfasst.
Stegmann untersucht zusammen mit Professor Winfried Panse vom Fachbereich Wirtschaft der Kölner FH das Thema "Angst als betriebswirtschaftlicher Kostenfaktor" schon seit mehr als zehn Jahren. Interessant ist für ihn, dass in der letzten Zeit vor allem die Angst vor Mobbing, vor Überforderung sowie vor Innovationen im Betrieb überproportional gestiegen ist. Eine Lösung kann nach Meinung des Diplom-Betriebswirts nur spezifisch für jedes Unternehmen gesucht werden. Generell sei es jedoch wichtig, den Mitarbeitern ein gewisses Recht auf Fehler zuzugestehen, den Faktor Angst zu enttabuisieren und eine Kultur des offenen Gesprächs einzuführen.
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