Für die Opfer der Bahnkatastrophe: Gedenkstätte in Enschede eingeweiht
zuletzt aktualisiert: 11.05.2001 - 18:51Eschede (rpo). 101 Opfer hat vor drei Jahren die Zug-Katastrophe in Eschede gefordert. Nun ist in dem kleinen Ort bei Celle eine Gedenkstätte für die Toten eingeweiht worden. Die Gedenktafel mit den Namen und Herkunfstorten der Opfer steht in einem Garten mit 101 Kirschbäumen. Am 3. Juni 1998 sprang in Eschede der ICE Wilhelm Conrad Röntgen aus den Gleisen und zerschellte an einer Brücke. Beim größten Zugunglück der deutschen Nachkriegszeit starben 101 Menschen starben, 119 erlitten teils schwere Verletzungen.
Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) forderte, die noch offenen Entschädigungsfragen so schnell wie möglich zu klären. "Es muss uns eigentlich bedenklich stimmen, dass die Zeit zur Versorgung von Angehörigen länger in Anspruch nimmt als die Errichtung eines Denkmals", sagte Gabriel.
Gabriel nannte die Gedenkstätte in Anwesenheit von rund 250 Angehörigen der Opfer "einzigartig". Es gebe keine vergleichbaren Mahnmale für Tote von Verkehrsunfällen. "Das Mahnmal hier in Eschede ist wie eine Kapelle am Wegesrand. Ein Ort, der Passanten zur Einkehr, zum Nachdenken und zum Gedenken einlädt", sagte Gabriel.
In einer Gedenkstunde erinnerten auch Bahn-Vorstand Horst Föhr und Heinrich Löwen, Sprecher der Selbsthilfe Eschede, an die Opfer der Katastrophe. Löwen sagte, das Mahnmal sei ein "mühevoll gefundener Kompromiss aus vielen Überlegungen". Die Opfer-Initative verteilte zur Einweihung einen Spendenaufruf. Darin hieß es: "Die Deutsche Bahn AG hat in grob fahrlässiger Weise unsere Angehörigen ums Leben gebracht." Die gezahlte Entschädigung von 30 000 Mark je Todesopfer sei zu niedrig.
Bahn-Vorstand Horst Föhr sagte: "Wir als Bahn sehen es als unsere vornehmste Aufgabe, die Menschen, die hier schweres Leid erfahren haben, zu unterstützen." Er bezeichnete die Gedenkstätte als Mahnung für die Bahn, in Zukunft alles zu tun, "damit solche Unglücke soweit wie möglich ausgeschlossen werden".
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