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Düsseldorf
Geflügelzüchter fordern landesweite Stallpflicht

Düsseldorf. Die Schutzmaßnahmen des NRW-Verbraucherschutzministeriums gegen die Vogelgrippe gehen den Haltern nicht weit genug. Sie halten auch eine Leinenpflicht für Hunde und ein Freigangverbot für Katzen für geboten. Gestern wurde der dritte H5N8-Fall gemeldet - eine tote Reiherente. Von Martina Stöcker

NRW gehört mit Niedersachsen zu den Bundesländern mit der höchsten Geflügeldichte: Mehr als 13 Millionen Stück Geflügel werden gehalten, darunter 5,2 Millionen Masthühner, 1,5 Millionen Puten, 206.000 Enten und 3,6 Millionen Legehennen. Deshalb kritisierte der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft die Maßnahmen der grünen Agrarminister von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gegen die Vogelgrippe als unzureichend. "Es ist einfach unbegreiflich, dass gerade die Bundesländer mit der höchsten Geflügeldichte in Deutschland keine landesweite Stallpflicht erlassen", sagte Verbandschef Friedrich-Otto Ripke der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Quarantäne-Maßnahme sei dringend erforderlich, um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe zu unterbinden. In NRW hat die Landesregierung eine Stallpflicht für sogenannte Risikogebiete erlassen, durch die Zugvögel ziehen, tote Wildtiere gefunden wurden oder in denen die Geflügeldichte bei mehr als 1000 Tieren pro Quadratkilometer liegt.

Gibt es neue Fälle? Ja. Im Kreis Soest am Möhnesee wurde eine tote Reiherente gefunden, bei der das Vogelgrippe-Virus gestern nachgewiesen wurde. Das ist nach Xanten und Hagen der dritte H5N8-Fall in NRW bei einem Wildvogel.

Sind Mastbetriebe betroffen? In NRW noch nicht. Aber im Landkreis Cloppenburg (Niedersachsen) werden in einem betroffenen Betrieb 16.000 Puten gekeult. Zudem müssen auch die 92.000 Hühner zweier benachbarter Geflügelbetriebe getötet werden.

Warum fordert die Geflügelwirtschaft eine landesweite Stallpflicht?

"Wir sind für die Stallpflicht, weil wir kein Risiko eingehen wollen", sagt Heinrich Bußmann, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbands NRW. "Wir wollen unsere Bestände schützen und alles dafür tun, was in unserer Macht steht." Schon seien Betriebe in Niedersachsen betroffen, das Virus käme näher. "Der Druck ist immens", sagt Bußmann. Viele Landwirte außerhalb der Risikogebiete ließen ihre Tiere nicht mehr raus. Das hat allerdings auch wirtschaftliche Einbußen zur Folge. Gibt es eine Stallpflicht, können etwa Freilandeier noch bis zu zwölf Wochen als solche vermarktet werden, auch wenn die Hühner Stubenarrest haben. Lässt ein Landwirt sie freiwillig drinnen, muss er die Eier anders deklarieren und für einen niedrigeren Preis abgeben.

Warum will das NRW-Ministerium keine landesweite Stallpflicht? Laut einem Sprecher bedeute eine Stallpflicht, dass auch gesunde Tiere vorsorglich getötet werden - nämlich dann, wenn sie nicht ordnungsgemäß untergebracht werden können. Das ist etwa häufig bei Gänsen der Fall, die während der Aufzucht meist im Freien sind und nur nachts in einen Unterstand kommen, der allerdings meist den Kontakt zu Wildvögeln weiter ermöglicht. "Wir töten keine gesunden Tiere, das ist für uns nicht mit dem Tierschutz vereinbar", betont der Sprecher. Bei Enten und Gänsen bestehe zudem die Gefahr, dass sie auf engem Raum übereinander herfallen. Das Ministerium hält wie bei der Vogelgrippe 2014 an einem abgestuften Verfahren fest. Die Forderung nach der landesweiten Stallpflicht nannte der Sprecher "suspekt". Wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte, gilt für 97 Prozent des Geflügels im Land inzwischen die Stallpflicht.

Welche weiteren Schutzmaßnahmen wären möglich? Der Zentralverband der Geflügelzüchter hält auch einen Leinenzwang für Hunde und ein Freigangverbot für Katzen - wie in Hamburg zurzeit verhängt - für sinnvoll und geboten, so eine Sprecherin. In Sperrbezirken, in denen tote Wildtiere gefunden wurden, gilt er schon in NRW. "Wir würden diese Präventionsmaßnahmen aber auch regional befürworten, damit der Erreger nicht durch Hunde und Katzen verschleppt wird", sagte eine Sprecherin des Geflügelzüchter-Zentralverbandes. Auch das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, empfiehlt das. Katzen und Hunde würden an toten Wildvögeln schnüffeln, über Kontakt mit Schleimhäuten, Augen und Kot könnten sie das Virus weitertragen, ohne selbst zu erkranken.

Was bedeutet die Vogelgrippe für Verbraucher? Laut Friedrich-Löffler-Institut ist die Gefahr für Menschen zu erkranken quasi ausgeschlossen.

Was bedeutet sie für Zoos? Der Kölner Zoo zum Beispiel hat vorsorglich allen Schreit- und Wasservögeln Stubenarrest verordnet, auch wenn in Köln die Stallpflicht nicht gilt. Knapp 700 Tiere wurden unter anderem im alten Elefanten- und Flusspferdhaus untergebracht.

Quelle: RP
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