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Düsseldorf/Utrecht
Geldautomaten-Bande umfasst 250 Männer

Düsseldorf/Utrecht. Eine kriminelle Gruppierung von Nordafrikanern aus den Vororten Amsterdams und Utrechts ist laut Polizei in NRW für eine Serie von Geldautomaten verantwortlich. Sie begeht ihre Taten in Deutschland, weil es offenbar leicht ist. Von Christian Schwerdtfeger

Die deutschen und niederländischen Fahnder der Polizei hatten sie offenbar schon länger im Visier. Aber erst ein Unfall mit zwei Toten und einem Schwerstverletzten auf der Autobahn 57 vor wenigen Wochen bei Rheinberg brachte wohl den entscheidenden Durchbruch bei den Ermittlungen gegen die sogenannte Audi-Bande, die für zahlreiche Sprengungen von Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich gemacht wird.

Denn wie jetzt bekannt wurde, handelte es sich bei den Verunglückten um drei marokkanischstämmige Männer (alle 22 Jahre alt), die nach Angaben der Polizei Mitglieder einer rund 250-köpfigen Bande aus den Niederlanden gewesen sein sollen. Der Überlebende, der nach dem Unfall querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, war nach Angaben der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf" eine bekannte Größe in der dortigen Kickboxszene. "Die wohnen vor allem in den Vororten von Utrecht und Amsterdam und haben überwiegend einen nordafrikanischen Migrationshintergrund", sagte Dietmar Kneib, Leiter der zuständigen Ermittlungskommission "Heat" beim nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt.

Für wie viele Geldautomaten-Sprengungen die Bande genau verantwortlich ist, konnte das LKA noch nicht sagen. Allein in diesem Jahr gab es 24 solcher Taten, im Vorjahr waren es landesweit 67. Den Grund, wieso die Nordafrikaner so oft in NRW zuschlagen, meinen die Ermittler jedoch zu kennen. "Die Intensivtäter haben früher ähnliche Tatserien in Belgien und Holland begangen", sagte Kneib. "Wegen der in den Beneluxländern mittlerweile besser gesicherten Geldautomaten sind sie nach Deutschland ausgewichen", so der Chefermittler.

Für die Banken ist das Thema ein wunder Punkt. Das Landeskriminalamt mahnt die Geldinstitute seit Monaten, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Einem Bericht des Innenministeriums zufolge wurden bereits im Jahr 2009 die Betreiber von Geldautomaten und der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft über Präventionsmaßnahmen informiert. Im Jahr 2011 stellte das LKA den Geldinstituten zudem noch ergänzende Sicherheitsempfehlungen zur Verfügung. Anders als die Banken in Frankreich und den Beneluxländern ergreifen die hiesigen Geldinstitute offenkundig noch vergleichsweise selten Präventionsmaßnahmen wie baulich-mechanische Schutzvorrichtungen, zusätzliche Sicherungen von Geldausgabeschachtverschlüssen, Systeme, die Gasexplosionen unterbinden oder die Geldscheine einfärben.

So lange sich daran nicht grundlegend etwas ändert, so sind sich die Ermittler sicher, werden trotz des jüngsten Fahndungserfolges auch weiterhin in NRW Automaten gesprengt werden - und das vermutlich auch durch Täter der Marokko-Bande aus den Vororten Utrechts und Amsterdams. Denn diese, so hieß es aus Sicherheitskreisen, werde bestimmt weitermachen, "weil dieses ,Geschäft' für die Kriminellen noch zu lukrativ ist".

Die Bande operiert den Sicherheitsbehörden zufolge in ständig wechselnder Zusammensetzung immer von den Niederlanden aus. Deshalb arbeitet das LKA auch schon lange eng mit Kollegen aus dem Nachbarstaat zusammen. Ihre Raubzüge begehen die Täter in Einheiten von drei bis fünf Personen. Und meistens flüchten sie nach den Taten in PS-starken Audis. Sowohl Autos als auch Kennzeichen sind in der Regel gestohlen. So war es auch bei dem tödlichen Unfall auf der A 57 bei Rheinberg.

Quelle: RP
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