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Ex-Beatle erlag seinem Krebsleiden: George Harrison ist tot

zuletzt aktualisiert: 30.11.2001 - 16:48

London (rpo). Der Ex-Beatle George Harrison ist tot. Er erlag bereits am Donnerstag im Alter von 58 Jahren seinem Krebsleiden. Er starb im Haus seines Freundes Gavin De Becker in Los Angeles.

Freunde und Verehrer aus aller Welt bezeichneten ihn am Freitag als einen der größten Musiker des 20. Jahrhunderts und würdigten ihn als einen besonders liebenswerten und freundlichen Menschen. Sir Paul McCartney, der nun zusammen mit Ringo Starr der einzige noch lebende Beatle ist, sagte: "Er ist so etwas wie mein jüngerer Bruder gewesen." John Lennon wurde 1980 ermordet.

Harrison starb um 22.30 Uhr MEZ in Los Angeles. Dort war er zuletzt wegen eines inoperablen Hirntumors behandelt worden. Seine Frau Olivia (51), mit der er seit 23 Jahren verheiratet war, und sein Sohn Dhani (23) waren bei ihm. Die Familie teilte am Freitag mit: "Er ist so gestorben, wie er gelebt hat: in dem Glauben an Gott, ohne Angst vor dem Tod und in Frieden, umringt von Familie und Freunden. Er hat oft gesagt: "Alles andere kann warten, nicht aber die Suche nach Gott."" Harrison war hinduistischen Glaubens.

In den vergangenen vier Jahren war der ehemalige Kettenraucher an Kehlkopfkrebs, Lungenkrebs und einem Hirntumor erkrankt. Doch noch im vergangenen Monat hatte es so ausgesehen, als sei er auf dem Wege der Besserung. In seiner Villa in der Schweiz nahm er einen Song mit dem britischen Musiker Jools Holland auf - es wurde sein letzter. Anfang November unterzog er sich wegen seines Tumors einer umstrittenen Strahlentherapie in New York. Als das nicht half, wechselte er in eine Klinik nach Los Angeles und begann eine neue Chemotherapie.

Er selbst führte seine Erkrankung "einzig und allein auf das Rauchen" zurück. Doch sein Biograf Alan Clayson sagte am Freitag, die Messerattacke durch einen Geistesgestörten im Dezember 1999 habe das Leiden mit Sicherheit verstärkt: "Er wurde in die Lunge gestochen, und das gerade zu der Zeit, als er die Diagnose Lungenkrebs bekam. Ich glaube, das hatte nicht nur einen psychologischen Effekt."

Seine Weggefährten brachten am Freitag in bewegenden Worten ihre Trauer zum Ausdruck. Yoko Ono, die Witwe von Lennon, sagte: "Danke George, es war großartig, dich zu kennen." McCartney sagte vor seinem Haus: "Ich bin erschüttert und sehr, sehr traurig... Wir wussten, dass er seit langer Zeit krank war. Er war ein fantastischer Kerl und ein tapferer Mann und hatte einen wunderbaren Sinn für Humor. Alle werden ihn sehr vermissen."

Sir Bob Geldof äußerte sich "schockiert". Harrison sei ein "zögerlicher Beatle" gewesen, dem sein weltweiter Ruhm immer ein wenig unangenehm gewesen sei. Sein Platz in der Musikgeschichte sei für alle Zeit sicher.

Paul McCartney und Ringo Starr hatten ihn noch vor zwei Wochen am Krankenbett besucht. McCartney brach in Tränen aus, als er sah, wie abgemagert und blass Harrison war. Nach dem Auseinanderbrechen der Beatles waren sich die beiden lange aus dem Weg gegangen; Harrison warf McCartney eine Profilneurose vor. Doch später waren sie sich wieder näher gekommen. Jetzt saßen sie zusammen, "und wir haben miteinander Witze gemacht und gelacht, als wenn gar nichts gewesen wäre", erinnerte sich am Freitag ein tief bewegter Sir Paul: "Ich bin erschüttert und sehr, sehr traurig. Wir wussten, dass er seit langer Zeit krank war. Er war ein fantastischer Kerl und ein tapferer Mann." Ringo Starr muss zurzeit um seine Tochter bangen, die ebenfalls einen Hirntumor hat.

Die beispiellose Karriere der Band hatte in Deutschland ihren entscheidenden Kick bekommen: Nach einem erfolgreichen Engagement im April 1962 im Hamburger "Star Club" ersetzte Ringo Starr den alten Schlagzeuger Pete Best. Damit stand die endgültige Besetzung der Beatles. Weggefährten aus der Hamburger Zeit und Fans waren am Freitag tief bewegt.

Nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht regte sich selbst etwas hinter der kühlen Fassade des Buckingham-Palastes in London. "Sehr traurig" sei sie, ließ Königin Elizabeth II. mitteilen. Beim Wachwechsel am Palast spielten die Soldaten mit den Bärenfellmützen Beatles-Melodien. Premierminister Tony Blair und der irische Ministerpräsident Bertie Ahern, die sich bei höchst kontroversen Verhandlungen über die Atomanlage Sellafield gegenüberstanden, erkannten plötzlich viele Gemeinsamkeiten: Sie seien doch beide Angehörige der Beatles- Generation, stellten sie fest und trauerten zusammen.

Die Fans fanden derweil ihren Weg zu Harrisons abgelegenem Schloss westlich von London, wo Schilder in zehn Sprachen warnen: "Zutritt verboten!" Nach der Ermordung John Lennons hatte sich Harrison dort hinter Kameras, Hunden, Wächtern und elektronischen Toren verschanzt, und dennoch brach 1999 ein Psychopath ein und verletzte ihn lebensgefährlich. Am Freitag bot sich ein sehr friedliches Bild. Vor der mächtigen Einfahrt häuften sich Blumen und Botschaften wie: "Meine Gitarre wird für immer weinen." In Liverpool, der Geburtsstadt aller vier Beatles, wehten die Flaggen auf halbmast. Kondolenzbücher wurden ausgelegt. In New York kamen Dutzende Fans schon im Morgengrauen im Central Park zusammen. "Ich musste einfach aus der Wohnung raus, als ich das im Radio hörte", sagte Nina Juvino (42). "Es ist so furchtbar traurig."

Harrison galt immer als der "stille" oder "dritte Beatle". Er wurde am 25. Februar 1943 in Liverpool geboren. 1958 lernte er John Lennon kennen und schloss sich als Gitarrist der Band an, die 1960 erstmals unter dem Namen The Beatles auftrat und binnen drei Jahren Weltruhm erlangte. Ende der 60er Jahre wurde er zunehmend verbittert darüber, dass er immer im Schatten der großen Egos von Lennon und McCartney stand. Er hätte gern mehr als die 22 Lieder geschrieben, mit denen er sich innerhalb der Gruppe durchsetzen konnte.

Nach dem Ende der Gruppe 1970 startete er eine erfolgreiche Solokarriere. Nach der Ermordung Lennons zog er sich mehr und mehr auf sein hoch gesichertes Schloss westlich von London zurück. Vollends zum Einsiedler wurde er nach dem missglückten Mordanschlag.

Quelle: RPO Archiv

 
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