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Suche nach Grab des Vaters warf Fragen auf: Gerhard Schröders Verwandtschaft: Der "Kanzler-Clan"

zuletzt aktualisiert: 20.04.2001 - 18:40

Düsseldorf (RP). Der Kanzler und seine Familie - da dachte der Bundesbürger bislang zuerst an verflossene Ehefrauen und die gegenwärtige, Doris Schröder-Köpf. Weil Gerhard Schröder aus seiner Herkunft aus einfachen Verhältnissen keinen Hehl macht, ist auch seine Mutter Erika Vosseler (87) keine unbekannte Frau. Nach Aussagen des 57-Jährigen ist seine politische Einstellung vom Vorbild der Mutter geprägt, die er eine "geborene Sozialdemokratin" nennt.

Wenig war bislang über den Vater bekannt. Schröder selbst hat ihn gar nicht kennen gelernt: Der Obergefreite Fritz Schröder war am 4.Oktober 1944 im Alter von 32 Jahren gefallen, ohne seinen Sohn Gerhard Fritz Kurt, der am 7.April 1944 in Mossenberg/Lippe-Westfalen geboren wurde, je gesehen zu haben.

Fritz Schröder war Hilfsarbeiter und Kirmesgehilfe. 1940 wurde er in Soest zur Wehrmacht eingezogen und war zuletzt Angehöriger eines Alarmbataillons Witzel. Von der Geburt seines Sohnes am Karfreitag des Jahres 1944 erfuhr er durch die Feldpost. Er starb in der Nähe von Pustasan bei den Rückzugskämpfen der Heeresgruppe Süd.

Die Witwe Erika Schröder heiratete 1947 ihren zweiten Mann, Paul Vosseler, dem sie drei Kinder gebar: Heiderose, Ilse und Lothar - Halbgeschwister des Bundeskanzlers. Für eine Aufsehen erregende Nachricht sorgte jüngst Schröders ältere Schwester Gunhild, die in Paderborn als Spielhallenaufsicht arbeitet und mit ihrer Mutter Erika zusammen lebt.

Laut "Bild am Sonntag" gelang es Gunhild Kamp-Schröder (61), nach 57 Jahren mit Hilfe eines Suchdienstes das Grab ihres und des Kanzlers Vaters in Rumänien ausfindig zu machen. Danach soll es sich um ein Soldatengrab in dem kleinen Dorf Ceanu Mare (ungarisch: Pustasan) im Bezirk Cluj, dem früheren Klausenburg, handeln.

Darüber "froh und berührt", die genaue Lage des Grabes endlich erfahren zu haben, kündigte der Kanzler denn auch an, den Ort in den Karpaten aufsuchen zu wollen. Dabei wussten deutsche Stellen schon seit mehr als 20 Jahren von dem Ort des Grabes, in dem Schröders Vater beigesetzt sein soll. So erklärte der Dienststellenleiter des Suchdienstes des Roten Kreuzes, Klaus Mittermaier, der Ort sei seit 1978 bekannt. Einer besonderen Recherche habe es gar nicht bedurft.

Inzwischen gibt es, rumänischen Medien zufolge, Verwirrung um den Namen des Ortes, in dem das Grab von Fritz Schröder liegen soll. Neueste Recherchen hätten ergeben, dass das heutige Ceanu Mare damals Mezönagycsan hieß. Das damalige Pustasan dagegen heiße inzwischen Ceanu Mic. Die beiden Orte liegen etwa 30 Kilometer voneinander entfernt in Siebenbürgen nahe der Stadt Turda. Im Kirchhof des heutigen Ceanu Mare befinde sich ein gepflegtes Grab mit unbekannten Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Bleiben hier also noch Fragen offen. Allemal hatte die Suche der Kanzler-Schwester Gunhild einen überraschenden Nebeneffekt: Familienzuwachs. Es kam nämlich heraus, dass der Bundeskanzler zwei Cousinen hat, die in Thüringen leben. Sie sind Töchter des 1990 verstorbenen Kurt Schröder, des Bruders von Kanzler-Vater Fritz, folglich ein Onkel des heutigen Regierungschefs. Heidelinde Munkewitz (61) und Inge Siegel (58) ahnten nichts von der prominenten Verwandschaft. Erst ein Blick in Urkunden und ins Familienalbum überzeugte die beiden Schwestern.

Bundeskanzler Schröder will nun am 9. Mai seine beiden Cousinen in Gera treffen. Die beiden freuen sich auf ein Beisammensein mit ihrem prominenten Vetter. "Wir haben die Nachricht, dass ein Treffen vorgesehen ist", sagte Siegel am Freitag in Eisenach. Auch ein Kaffeeklatsch in Berlin ist im Gespräch.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Eckhard Ohl hatte die Nachricht aus dem Kanzleramt: Gerhard Schröder wolle seine Cousinen bei einem gemeinsamen Mittagessen kennen lernen, erfuhr er. Eigentlich sei Schröder am 9. Mai zur Tagung eines Kabinettsausschusses in Thüringen, werde sich aber neben dem offiziellen Programm Zeit für seine Cousinen nehmen, sagte Ohl. Treffpunkt werde vermutlich ein Restaurant sein.

Am letzten Juni-Wochenende ist ein zweites Beschnuppern vorgesehen: Der Bundestagsabgeordnete Ohl hat die beiden Frauen und ihre Männer nach Berlin eingeladen. "Sie können sich den Reichstag und das Bundeskanzleramt ansehen", sagte er. Zudem wolle Schröder die Verwandten zu einem Kaffeeklatsch einladen. "Vermutlich in seinen Amtssitz", sagte Ohl.

Seiner Verwandschaft bewusst ist sich Halbbruder Lothar Vosseler, der nach Jahren der Arbeitslosigkeit jetzt bei einer Kanalbaufirma in Schieder-Schwalenberg beschäftigt ist. Vergangenes Jahr entdeckte ihn Radio NRW, dass nach der erfolgreichen Comedy-Serie "Kanzler-WG" eine Nachfolge-Serie plante. Mit Vosseler in einer Real-Satire als "Bruder ohne Kaschmir". Und das reicht fast zum Beruf. Motto: "Wenn wat is, fragen Sie mich. Ich bin schließlich der Bruder des Kanzlers."

Frieder Bluhm

Quelle: RPO Archiv

 
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