Eltern wollen Berufung einlegen: Gericht beschließt Trennung siamesischer Zwillinge
zuletzt aktualisiert: 25.08.2000 - 15:27London (dpa). Das oberste britische Zivilgericht hat die Trennung von zwei Siamesischen Zwillingen angeordnet - obwohl dabei zwangsläufig eines der beiden Babys sterben wird. Der High Court in London entschied am Freitag gegen den Willen der Eltern, dass Jodie gerettet werden soll und ihre Zwillingsschwester Mary sterben muss. Das Gericht begründete dies damit, dass nach Überzeugung der Ärzte sonst beide Kinder nicht länger als drei bis sechs Monate überleben würden. Da Mary auf das Herz und die Lunge ihrer Schwester angewiesen sei, bedeute die Operation für sie den Tod.
"Die Eltern lieben beide Kinder über alles, und sie lieben sie in gleichem Maße und können es deshalb einfach nicht über sich bringen, sich auf Kosten des einen für das Leben des anderen zu entscheiden", sagte der Richter. Es sei jedoch seine Pflicht, wenigstens eines der Babys zu retten. Die Eltern, die für die schwierige Geburt der Siamesischen Zwillinge aus dem Ausland nach England gekommen waren, wollen nun möglicherweise Berufung einlegen. Sie ließen eine Erklärung verlesen, in der es hieß: "Wir können es nicht akzeptieren, dass eines unserer Kinder sterben soll, damit das andere überleben kann. Das ist nicht der Wille Gottes."
Die beiden Kinder waren am 8. August in Manchester zur Welt gekommen. Sie sind am Unterleib zusammengewachsen. Die Namen Jodie und Mary sind nicht ihre richtigen; sie wurden vom Richter gewählt, um die Anonymität der Familie zu gewährleisten. Erst Ende Mai dieses Jahres hatte eine spektakuläre Operation zur Trennung eines Siamesischen Zwillingspaares im italienischen Palermo weltweit für Aufsehen gesorgt. Dabei waren beide Mädchen, Milagros und Marta, gestorben.
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