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Französische Dorfbewohner empfangen Angehörige
Absturz trifft eine Region ins Mark

Germanwings-Absturz trifft eine Region ins Mark
Der Blick auf den Ort Seyne-les-Alpes, wo die Einsatzkräfte für die Bergungsarbeiten stationiert sind. Der Ort Digne-les-Bains liegt wenige kilometer entfernt. FOTO: dpa, dka
Digne-les-Bains. Die schroffe Alpenregion rund um den Absturzort Digne-les-Bains ist nur dünn besiedelt. Viele der Einheimischen nutzen die Zeit zwischen Winter- und Sommersaison und sind auf Reisen. Viele sind dennoch aus ganz Frankreich heimgekehrt. Von Beat Michel

Ihr einziges Ziel: Helfen! "Als ich gehört habe, dass bei meinem Dorf ein Flugzeug abgestürzt ist, war ich total geschockt", so Régis Thezan (63). "Ich war gerade in Paris in den Ferien. Für mich war klar, dass ich zurückfahre." Der pensionierte Air-France-Flugbegleiter der Air France wohnt im Dorf Le Vernet. Die Ortschaft grenzt direkt an die Unglücksstelle. Gleich hinter dem Hügel des kleinen Dorfes stürzte der Germanwings-Airbus ab. Die 150 Todesopfer decken sich mit der Einwohnerzahl.

Ex-Steward Thezan fühlt sich verpflichtet: "Ich habe selbst Freunde bei Flugzeugabstürzen verloren. Ich ertrage es kaum, was oberhalb von unserem Dorf passiert ist." Auch Josefine Balique (19) eilte zurück in die Heimat. Die Studentin studiert in Aix-en-Provence eigentlich Geschichte: "Als ich vom Absturz hörte, fuhr ich gleich los." Die Studentin hat sich bei der Gemeinde gemeldet, um Angehörige zu betreuen und unterzubringen. "Ich jage in dem Gebiet, wo jetzt Trümmer und Tote liegen", sagt Yves Aubin (63). Der Pensionär sagt: "Es führt dort ein Wanderweg vorbei. Ich denke, wir Einheimischen werden das Gebiet eine Weile meiden. Wir sind traumatisiert." Wie ihm, geht es vielen.

Die Unglücksstelle am Tag nach dem Absturz FOTO: dpa, sh

Der Absturz traf die Region tief ins Mark. In den Gemeinden rund um Vernet kümmert sich der Bischof Jean-Philipp Nault persönlich um die trauernden. Mit mehreren Priestern besucht er die Dörfer, hört den Leuten zu und nimmt sich Zeit. Der Geistliche: "Ich kann im Moment vermutlich nur helfen, wenn ich Präsenz zeige und Nähe und Mitgefühl zeige. Ich sehe, wie durcheinander die Leute sind. Unsere Anwesenheit soll den Leuten Kraft geben, mit der schwierigen Situation und dem Erlebten zurecht zu kommen."

Ingenieur Gilles Thezan (59) arbeitet normalerweise in Tansania. Als das Flugzeug abstürzt, ist er daheim: "Ich sah viel Feuerwehr und der Polizei. Da wusste ich, es ist etwas Schlimmes passiert. Ich bin dann in die Nähe des Unglückgebietes gefahren. Es war schrecklich. Alles zerfetzt, kein Teil grösser als ein Teller. Ein Anblick, den ich nie wieder vergessen werde." Der Skilehrer Christian Mollet (64) war während des Aufpralls im Skigebiet Praloud unterwegs – knapp sechs Kilometer von der Absturzstelle entfernt. "Vom eigentlichen Aufprall habe ich nichts bemerkt. Aber um 11.15 Uhr sahen wir Kampfjets, die offensichtlich die Region absuchten. Da schwante mir Böses." Es wird noch Wochen dauern, bis alle Bergungsabreiten in der Region abgeschlossen sind. Die Trauer um die Toten wird für immer bleiben.

Dieser Text wurde veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Ringier-Verlages und BLICK.CH.

 
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