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Germanwings-Absturz
Copilot suchte im Internet nach Selbstmord-Möglichkeiten

Germanwings: Copilot Andreas L. suchte im Internet nach Selbstmord-Möglichkeiten
Andreas L. informierte sich online auch über Cockpittüren. FOTO: ap
Düsseldorf. Die Internetaktivitäten, die der Copilot der Germanwings-Maschine in den Tagen vor dem Absturz auf seinem Tablet-Computer gemacht hat, stützen die Vermutung, dass der 27-Jährige Andreas L. das Flugzeug mit Selbstmordabsicht zum Absturz gebracht hat. Von Denisa Richters und Christian Schwerdtfeger

Das kann laut den Ermittlern insbesondere aus Suchbegriffen, die in der Zeit vom 16. bis 23. März mit dem Gerät aufgerufen wurden, nachvollzogen werden. Danach habe sich der Nutzer zum einen mit medizinischen Behandlungsmethoden befasst, teilt die Staatsanwaltschaft soeben mit. Zum anderen habe er sich über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert. Das Gerät war in der Wohnung des Copiloten in Düsseldorf-Unterbach gefunden worden.

Unsere Redaktion hatte bereits am Dienstag von einer früheren Suizidgefährdung bei Andreas L. berichtet.

"An mindestens einem Tag hat sich der Betreffende darüber hinaus über mehrere Minuten mit Suchbegriffen über Cockpittüren und deren Sicherheitsvorkehrungen auseinandergesetzt", sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa. Andreas L. hatte den Piloten und den Rest der Crew den Ermittlungen zufolge absichtlich ausgesperrt.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 27-jährige L. die Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U9525 am 24. März zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Inzwischen wurden von allen Insassen Leichenteile gefunden und zugeordnet.

Unterdessen wurde auch die zweite Blackbox gefunden. Das Gerät sei von einem Polizisten in einem Teil einer Schlucht gefunden worden, die bereits mehrmals durchkämmt worden sei. Das Gerät sei total geschwärzt, als ob es verbrannt sei, so die Behörden. Möglicherweise sei es aber noch benutzbar. Der Stimmrekorder war bereits kurz nach dem Absturz am Dienstag vergangener Woche gefunden worden, nach dem Flugdatenschreiber mit den technischen Daten war hingegen lange vergeblich an der Absturzstelle gesucht worden.

Berichte der "Bild"-Zeitung, dass L. den Ärzten gegenüber verschwiegen haben soll, aktiv als Copilot zu arbeiten, bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Auch zu einem Autounfall, den L. Ende 2014 gehabt und bei dem er sich beim Öffnen der Airbags verletzt haben soll, sowie zu einer möglichen Einnahme von Medikamenten gegen Depression und Panikattacken äußerten sich die Ermittler nicht.

Laut dem Bericht seien ein Knalltrauma und eine Sehschwäche die Folgen des Unfalls gewesen. Bestätigt haben die Ermittler jedoch, dass L. vor mehreren Jahren – noch bevor er den Pilotenschein erhielt - über einen längeren Zeitraum "mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung" gewesen sei.

Der damalige Flugschüler hat auch seine Ausbilder über eine "abgeklungene, schwere depressive Episode" informiert, wie die Lufthansa bestätigte. Den Ermittlern liegen mehrere Krankenakten verschiedener Ärzte vor, bei denen L. in Behandlung war und die unterschiedliche Diagnosen stellten. Zudem wurde ein Computer konfisziert und Zeugen aus dem näheren Umfeld des 27-Jährigen befragt, darunter auch seine 26-jährige Lebensgefährtin. Ein Abschiedsbrief wurde nach Angaben der Ermittler nicht gefunden.

Am Donnerstag sind Mitglieder der Sonderkommission "Alpen" der Düsseldorfer Polizei von einer zweitägigen Ermittlungsreise an die Absturzstelle in den französischen Alpen zurückgekehrt. "Ich bin beeindruckt von der logistischen und äußerst personalintensiven Arbeit der französischen Strafverfolgungsbehörden", sagte Soko-Leiter Roland Wolff. Die Kollegen arbeiteten dort "unter schwierigsten örtlichen Gegebenheiten sowie enormer körperlicher und psychischer Belastung".

Die mehr als 100 Mitglieder zählende Soko "Alpen" hat inzwischen bei allen 65 Opfern aus Nordrhein-Westfalen die Daten zum Abgleich für die Identifizierung der Toten erfasst - dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um DNA-Spuren, Fingerabdrücke, medizinische Unterlagen und Fotos.

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