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Co-Pilot Andreas L.
Sportlich, unauffällig, vernarrt ins Fliegen

Germanwings: Was wir über Copilot Andreas L. wissen
Diese Schulfoto zeigt Andreas L. FOTO: privat
Düsseldorf. Co-Pilot Andreas L. hat Germanwings-Flug 4U9525 absichtlich in eine Felswand gesteuert und 149 Menschen mit in den Tod gerissen. Seine Tat löst weltweit Entsetzen aus. Wer war Andreas L.? Eine Spurensuche. Von R. Kowalewsky, D. Richters und C. Sieben

Die Beweise gegen Andreas L.: Die Staatsanwaltschaft spricht von zwei Handlungen, die belegen, dass der Co-Pilot den Absturz absichtlich herbeiführte. Er verwehrte dem Kapitän der Maschine den Zutritt zum Cockpit und leitete den Sinkflug absichtlich ein. Dass dies ein Versehen war, schließen die Ermittler aus. Auf den Tonaufnahmen ist zu hören, wie der Pilot seinen Co-Piloten immer wieder aufforderte, die Cockpit-Türe zu öffnen. Andreas L. habe darauf nicht geantwortet. Einen Notruf setzte Andreas L. nicht ab. Bis zum Aufprall ist auf den Aufnahmen das Atmen des Co-Piloten deutlich zu hören. Er war also offenbar nicht bewusstlos.

Persönliches: Der 28-Jährige hatte zwei Wohnsitze. Er lebte zeitweise bei seinen Eltern in Montabaur. Zudem hatte er einen Wohnsitz in Düsseldorf-Unterbach. Einen Teil seiner Freizeit verbrachte er im Luftsportclub Westerwald. Das Klubhaus liegt nur wenige Hundert Meter entfernt von seinem Elternhaus.

Reaktionen seines Umfeldes: Der Luftsportclub veröffentlichte im Netz eine Traueranzeige. "Als Jugendlicher wurde Andreas L. Mitglied im Verein, er wollte seinen Traum, das Fliegen, verwirklicht sehen", ist dort zu lesen. Und weiter: "Er begann als Segelflugschüler und schaffte es bis zum Piloten auf einem Airbus A320. Er konnte sich seinen Traum erfüllen, den Traum den er jetzt so teuer mit seinem Leben bezahlte". Die Anzeige entstand, bevor die jüngsten Fakten öffentlich wurden. Vereinskollegen kannten Andreas L. als "netten, lustigen, höflichen Menschen".

Dieses Bild postete Andreas L. bei Facebook. Im Hintergrund: Die Golden Gate Bridge. FOTO: Screenshot Facebook

L. war zudem ein ambitionierter Hobbyläufer. Er nahm an mehreren Halbmarathons teil. Den Frankfurter Lufthansa-Halbmarathon im Jahr 2012 beendete er in 1:38:13.

Auch die Nachbarn in Düsseldorf reagieren betroffen. "Das ist schrecklich", sagt eine Nachbarin. "Da nimmt man doch nicht so viele Menschen mit." Gekannt hat ihn hier kaum jemand so richtig. "Nur vom Sehen", sagt Nadine R., die gegenüber auf gleicher Höhe wohnt. Auf den Balkonen blühen viele bunte Blumen, sie sind von Hecken umsäumt.

Eine Schuhmacherin kannte L. ebenfalls: "An sich ein netter junger Mann - überhaupt nicht auffälllig." Andere Nachbarn beschreiben Andreas L. ebenfalls als freundlichen Mann, der stets gegrüßt habe. "Er hat auf sich geachtet, Sport getrieben, nicht geraucht. Er war ein guter Kerl", sagt ein Bewohner des Nachbarhauses.

Andreas L. nahm mehrmals an Halbmarathon-Läufen teil. FOTO: Lufthansa

"Ich habe ihn manchmal in der Tiefgarage gesehen, aber er hat nie zurückgegrüßt", erzählt ein 77-jähriger Rentner aus dem Haus nebenan. "Mir läuft es eiskalt den Rücken runter, dass er hier gewohnt hat."

Die Mutter einer Klassenkameradin äußerte sich gegenüber faz.net: "Das war ein lieber Junge", erklärte sie. Er habe "gute familiäre Hintergründe". Die Frau sagte weiter, sie könne sich lediglich eine "Kurzschlussreaktion" vorstellen. 

Auf Facebook schrieb ein Freund kurz nach Bekanntwerden der Todesnachrichten Zeilen, die nicht darauf hindeuten, dass Andreas L. an den Tod dachte. Noch am Montag habe er sich mit ihm unterhalten. "Jeden Tag hast du mich zum Lächeln gebracht", schreibt der Freund. "Ich werde dich vermissen ... du wirst für immer und ewig in meinem Herzen sein." Vermutlich wusste auch der Freund zu diesem Zeitpunkt dieser Nachricht noch nicht, dass Andreas L. die Maschine vorsätzlich zum Absturz brachte.

Fotos: Tag vier der Bergungsarbeiten am Absturzort FOTO: EPA/FRANCIS PELLIER/DICOM/MINISTERE INTERIEUR/HO

Berufliche Erfahrung: Andreas L. wurde 27 Jahre alt. Er war seit 2013 für die Germanwings als Erster Offizier ("Co-Pilot") im Einsatz, wie ein Sprecher der Lufthansa inzwischen bestätigte. Er absolvierte bislang 630 Flugstunden. Seine Ausbildung begann 2008. Während einer elfmonatigen Wartezeit, die laut Lufthansa-Chef Spohr üblich sei, arbeitete er als Flugbegleiter. Ausgebildet wurde er an der Verkehrsfliegerschule des Mutterkonzerns Lufthansa. In seiner mehrjährigen Ausbildung gab es nach Lufthansa-Angaben eine "Unterbrechung". Nachdem seine Eignung erneut festgestellt worden sei, habe L. seine Ausbildung fortgesetzt. Warum die Ausbildung unterbrochen wurde, teilte die Lufthansa nicht mit. Wenn es sich um ein medizinisches Problem gehandelt hätte, dürfte er ohnehin keine Angaben machen, erklärte Lufthansa-Chef Spohr. Zur Zeit des Unglücks sei L. ohne Auflagen als 100 Prozent flugtauglich eingestuft worden.

Nach Angaben der Ermittler sei er "hundertprozentig" dazu in der Lage gewesen, einen Airbus alleine zu fliegen. Einen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht. Der Co-Pilot stand auf keiner Terrorliste.

Erfahren Sie hier mehr im Live-Update zum Germanwings-Absturz.

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