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Radiosender suchte verrückte Idee: Gewinner verteilt 100.000 Mark

zuletzt aktualisiert: 24.04.2000 - 17:39

Plauen (AP). Der Dresdner Jens-Peter Schulz hat wahr gemacht, wovon die meisten wohl nicht einmal träumen würden: Er warf 100.000 Mark in die Häuserfenster der Stadt Plauen. Von einer zehn Meter hohen Hebebühne, die auf einem Spezialfahrzeug montiert war, fuhr er am Ostermontag zur Mittagszeit durch die Innenstadt. Selbst Wohnungen im dritten Stock waren für ihn kein Hindernis. Stets freundlich bediente er die aus den Fenstern gehaltenen Waschkörbe und Eimer mit Fünf- oder Zehn-Mark-Scheinen. Dabei wurde er von 35 Bodyguards und 50 Polizisten begleitet. Einen solchen Einsatz habe er noch nie erlebt, meinte Hauptkommissar Joachim Kriester.

Dabei war die Geldverteilaktion zunächst gar nicht von günstigen Vorzeichen begleitet. Ursprünglich wollte Schulz die Scheine am Ostersamstag vom Dresdner Rathausturm regnen lassen. Die Idee sei ihm in der Badewanne gekommen, als er gehört habe, dass der sächsische Privatsender Radio PSR die verrückteste Idee suchte. Zu gewinnen gab es dafür 250.000 Mark. Bei der Entscheidung am 19. April fanden die Hörer den Vorschlag des 28-Jährigen am besten. Zu gefährlich, urteilten dagegen die Dresdner Stadtväter.

Als Alternative wurde also der Rathausturm von Plauen ausgewählt. Und damit begann am Gründonnerstag ein bürokratischer Kleinkrieg, der alle ganz schön auf Trab hielt, wie der amtierende Plauener Oberbürgermeister Uwe Täschner einräumte. Das Chemnitzer Regierungspräsidium schaltete sich ebenso ein wie das Polizeipräsidium. Selbst die sächsische Staatsregierung wurde unterrichtet. Immer ging es um die Frage, wie die Sicherheit zu gewährleisten sei. Ein Anruf aus dem Dresdner Innenministerium am Freitag kurz nach Mitternacht machte dann alle Hoffnungen zunichte: Auch in Plauen durfte Schulz kein Geld vom Rathaus werfen.

Wenn nicht so, dann müsse es eben anders gehen, sagte sich der Anlagenberater und Ballonfahrer und kam auf die Idee, das Geld nunmehr in geöffnete Häuserfenster hinein zu werfen. Den Menschen in Plauen war auch das recht. Diszipliniert warteten sie in ihren Wohnungen auf das Spezialfahrzeug mit der Hebebühne und ließen für den großen Moment sogar ihre Rouladen schmoren. Viele Schaulustige warteten auch auf der Straße mit einem selbstgebauten Fensterrahmen in der Hoffnung, auch so den einen oder anderen Schein ergattern zu können. Dazu gehörte auch die zehn Jahre alte Ariane. Tapfer stand sie am Straßenrand mit einem bunt bemalten Fensterrahmen aus Pappe. Allerdings hatte sie Pech, der Zug fuhr an ihr vorbei.

Auch für den 55 Jahre alten Vorruheständler Gerd Misera aus dem vogtländischen Reichenbach gab es nichts. Er stand mit seinem Audi am Straßenrand und hatte Schilder mit der Aufschrift: "Hier ist ein Fenster" angebracht. Mehr Glück hatte der 49 Jahre alte Ulli Fischer aus Plauen. Schulz warf in seinen mitgebrachten Fensterrahmen immerhin 150 Mark.

Privatsender musste mit Bankbürgschaft haften

Bevor die Aktion losging, überzeugte sich der Programmchef von Radio PSR, Klaus Vorbrodt, persönlich davon, dass die 100.000 Mark auch wirklich vorhanden waren. Im gepanzerten Geldtransporter zählte er den in Bündeln zu fünf und zehn Mark abgepackten Betrag ab. Das Geld hatte sich Schulz von einer Bank geliehen. Radio PSR musste im Gegenzug versichern, dass der Dresdner, nachdem er seine Idee eingelöst hatte, auch wirklich 250.000 Mark mit nach Hause nehmen konnte. Der Sender stellte zudem eine Bankbürgschaft für den Vorschuss aus.

Als alles vorbei war, konnte Schulz dann im Plauener Rathaus seinen Gewinn persönlich in Empfang nehmen. Was er damit machen werde, ließ er offen. Auf alle Fälle seine Schulden bezahlen, meinte er - zum Beispiel die beim Dresdner Finanzamt.

Quelle: RPO Archiv

 
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