Dreitägige Staatstrauer in Ghana angeordnet: Ghana: 120 Tote nach Massenpanik
zuletzt aktualisiert: 10.05.2001 - 21:42Accra (rpo). Bei einer Massenpanik in einem Fußballstadion in der ghanaischen Hauptstadt Accra sind am Mittwochabend mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Tausende Zuschauer hatten gleichzeitig verzweifelt versucht ins Freie zu kommen, nachdem es zu Krawallen gekommen war. Die Polizei hatte aber die Eingänge abgeriegelt.
Der Minister für Angelegenheiten des Präsidenten, Jake Obetsebi-Amptey, bestätigte dies und erklärte, es habe auch sehr viele Verletzte gegeben. Fans einer der Mannschaften hatten kurz vor Schluss des Spiels Flaschen und Sitze auf den Rasen geworfen. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas. Daraufhin versuchten Tausende Zuschauer panisch, das Stadion zu verlassen.
"Es ist große nationale Tragödie", sagte Obetsebi-Amptey, der ein Krankenhaus in Accra besuchte. Genaue Zahlen über die Toten und Verletzten nannte er nicht; ein lokaler Radiosender sprach von 120 Todesopfern. Noch mehr als eine Stunde nach dem Vorfall schallte das Martinshorn auf den Straßen Accras. Ärzte wurden im Radio aufgerufen, in die Krankenhäuser zu kommen und bei der Versorgung der Opfer zu helfen.
Zum Zeitpunkt des Unglücks spielten die Teams "Hearts of Oak" (Accra) und "Assante Kotoko" (Kumasi) gegeneinander im größten Stadion der Hauptstadt, das 45.000 Zuschauer fassen kann. Assante lag 1:2 zurück, das Spiel sollte nur noch fünf Minuten dauern, als Anhänger der Mannschaft aus Wut über die drohende Niederlage Sitze aus der Befestigung rissen und aufs Spielfeld warfen. Als die Polizei Tränengasgranaten abfeuerte, stürmten die Zuschauer zum Ausgang und überrannten sich dabei gegenseitig.
In den Krankenhäusern drängten sich viele Menschen auf der Suche nach Informationen über Angehörige. Obetsebi-Amptey rief zu Ruhe auf. Man müsse vermeiden, eine ohnehin schon traurige Situation weiter zu verschlimmern, sagte er.
Es war bereits das vierte Unglück bei einem Fußballspiel auf dem afrikanischen Kontinent binnen eines Monats: Am 11. April starben 43 Menschen in einem Stadion in Johannesburg; am 29. April kamen bei einer Massenpanik in Lubumbashi im Kongo acht Menschen ums Leben; am 6. Mai kämpften gegnerische Fans zweier Mannschaften in der Elfenbeinküste gegeneinander: Es gab ein Todesopfer und 39 Verletzte.
Es ist eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer angeordnet worden. Präsident John Agyekum Kufuor gab die Bildung eines Sonderkomitees zur Vorbereitung eines Staatsbegräbnisses für die 123 bisher bestätigten Opfer der Massenpanik bekannt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







