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Köln
Ghanaischer Schwabe im Ruhrgebiet

Köln. Nelson Müller ist Repräsentant für gute Lebensmittel. In seinem Essener Bistro bietet er vor allem deutsche Hausmannskost an. Im Format "ZDFzeit" testet der Spitzenkoch Lebensmittel auf Qualität und Geschmack. Von Lisa Kreuzmann

Wenn Burgerketten mit Biofleisch und transparenter Herstellung werben, ist das ein Paradigmenwechsel. Und zeigt: Immer mehr Konsumenten legen Wert auf Nachhaltigkeit und Qualität. Nelson Müller hat schon als Kind seine Liebe zu hochwertigen Lebensmitteln entdeckt. Der TV-Koch macht sich deshalb seit einigen Jahren für ein neues Ernährungsbewusstsein stark. Und in dieser Rolle sieht er sich gern. Denn gutes Essen, sagt er, sei wichtig, um fit und erfolgreich zu sein. So hätten ihm das schon seine Eltern beigebracht.

Der 37-Jährige wurde in Ghana geboren und wuchs in einer Pflegefamilie bei Stuttgart auf. Die Müllers haben ihn dann 2013 auch adoptiert. "Ich habe das Glück, dass meine Eltern immer sehr auf Qualität geachtet haben und viel Geld für Lebensmittel ausgegeben haben", erzählt der Sternekoch, der von sich selbst sagt, Fan guter Produkte zu sein. Für Nelson Müller bedeutet das: Tiere sollen ein würdiges Leben führen können, die Arbeitskräfte angemessen bezahlt werden, und die Verpackung soll dem Produkt weder schaden noch dem Verbraucher etwas vorgaukeln, was sich bei näherem Hinsehen als reißerische Vermarktung entpuppt. So wie er denken nicht mehr nur Feinschmecker und Umweltschützer. Wissen, was drinsteckt, lautet die Basis für das Format "ZDFzeit" mit Müller, das heute Abend läuft. In jeder Folge wird die Lebensmittelbranche auf Tricksereien abgeklopft.

Neben seinem Sternerestaurant "Schote" betreibt der Koch in Essen das Bistro "Müllers an der Rü". Dort bietet der Gastronom vornehmlich bodenständige Hausmannskost an: Käsespätzle, Currywurst und Bratkartoffeln. Denn er sei ein Verfechter der Regionalküche: "Ich glaube, dass es für Körper und Seele gut ist, wenn man mit seiner Umwelt im Einklang lebt", betont Müller. Der 37-Jährige wirkt geerdet und familienverbunden. Sein Pflegevater stammt von einem bayrischen Hof mit angeschlossener Gastronomie. Nelson Müller hat also schon früh gelernt, dass Lebensmittel Wertschöpfung bedeuten. Sein Taschengeld hat er als kleiner Junge auf dem Feld aufgebessert. Noch heute schwärmt er vom Geschmack der Tomaten aus dem eigenen Garten.

Der Natur seiner Heimat fühlt er sich ebenso verbunden wie ihren Kulturstätten. "Ich bin sehr viel wandern gegangen, kenne viele deutsche Regionen und ihre Kirchen, Denkmäler und Museen", erzählt der Sternekoch. Dennoch gebe es auch einen anderen Teil in ihm, für den er sehr dankbar sei. Der Sohn ghanaischer Eltern kam erst als Vierjähriger nach Deutschland. Seine Vorbilder habe er sich immer im Ausland gesucht, erzählt er. "Von meiner Erscheinung her bin ich kein Deutscher, und ich glaube auch, dass ich anders bin", sagt Nelson Müller. Das merke er immer wieder an den Reaktionen der Menschen. "Mit einer dunklen Hautfarbe ist man unterschwellig den meisten Menschen fremd." Das sei aber auch gar nicht weiter schlimm, umgekehrt sei es schließlich genauso.

Für ihn ist das Zusammenwachsen verschiedener Kulturen das, was ihn ausmacht. "Genau diese Mischung macht mich zu dem, der ich bin", sagt Nelson Müller. "Ich betrachte mich als Weltmensch, und das finde ich für mich sehr angenehm, weil es bedeutet, einen weiten Horizont zu haben. Deutschland ist ein Einwanderungsland, und das macht uns reich."

Viele Menschen würden jedoch verkennen, dass auch Arbeit dahinter stecke, Migranten in die Gesellschaft einzubinden und ihnen eine neue Kultur zu vermitteln. Umso überzeugter ist der Gourmet davon, dass ein kultureller Austausch auch einen kulinarischen Austausch bedingt. "Wenn man mit Fremden über ihr Essen spricht, leuchten ihre Augen", erzählt der Spitzenkoch von unterschiedlichen Begegnungen. Das eigene Essen sei ein Blick in die Heimat, nach der sich viele Einwanderer zurücksehnen. Nelson Müller: "Kochen und essen ist Lebenskultur - und damit für das Zusammenleben verschiedener Gesellschaften enorm wichtig."

Quelle: RP
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