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Hoffnungslosigkeit ihrer gesundheitlichen Lage
Hannelore Kohl: Es war Selbstmord

Berlin (rpo). Hannelore Kohl hat nach Angaben des Berliner Büros von Altkanzler Helmut Kohl Selbstmord begangen. "Auf Grund der Hoffnungslosigkeit ihrer gesundheitlichen Lage entschloss sie sich, freiwillig aus dem Leben zu scheiden", heißt es in einer am Donnerstagnachmittag verbreiteten Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft hat den Bericht bestätigt.

Diesen Entschluss habe sie ihrem Mann, ihren Söhnen und Freunden in Abschiedsbriefen mitgeteilt.

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat am Donnerstagnachmittag den Selbstmord von Hannelore Kohl bestätigt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig sagte in Ludwigshafen, die "Auffindesituation" und mehrere Abschiedsbriefe ließen eindeutig auf eine Selbsttötung schließen. Hannelore Kohl sei um 11.15 Uhr gefunden worden. Ein konkrete Bestimmung des Todeszeitpunktes sei aber nicht möglich, sagte Liebig. Fremdverschulden liege nicht vor. "Die Ermittlungen sind abgeschlossen", sagte Liebig.

Mit Rücksicht auf die Situation der Verstorbenen wollte Liebig keine nähere Erklärung zu den Todesumständen abgeben. Eine Obduktion sei nicht nötig. Nach Angaben der Polizeisprecherin Sibylle Fohs halten sich Altbundeskanzler Helmut Kohl und ein Sohn seit dem Nachmittag im Haus im Stadtteil Oggersheim auf.

Kohl habe seit sieben Jahren an einer schmerzhaften Lichtallergie gelitten, die sie nach einem Rückschlag zwang, die letzten 15 Monate im Privathaus der Familie in Ludwigshafen ohne jedes Tageslicht zu verbringen. "Sie konnte nur nach Eintritt völliger Dunkelheit das Haus verlassen. In jüngster Zeit musste sie immer stärkere Schmerzen und eine zunehmende körperliche Schwäche ertragen."

In der Mitteilung hieß es weiter: "Leider hatten jahrelange, intensive ärztliche Bemühungen im In- und Ausland keinen Erfolg, da ihr Fall von Lichtallergie äußerst selten und kaum medizinisch erforscht ist."

Wegen ihrer Krankheit konnte die 68-Jährige ihren Mann vor kurzem auch nicht zur Hochzeit ihres Sohnes Peter in die Türkei begleiten.

Die Krankheit war 1993 durch eine Behandlung mit Penicillin ausgelöst worden. Das Leiden hatte sich vor einem Jahr deutlich verschlechtert. Eine Heilung sei nicht in Sicht, hatte Hannelore Kohl im März in einem Interview gesagt. 1983 hatte Hannelore Kohl ein Zentrum für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems gegründet. Diese Arbeit habe sie sehr von ihrer Krankheit abgelenkt, berichtete sie.

Die Marbacher Straße im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim, wo das Haus der Familie Kohl steht, wurde am Donnerstag von der Polizei abgesperrt. Der Verkehr wurde umgeleitet. Vor der Absperrung versammelten sich zahlreiche Journalisten.

Hannelore Kohl war am Vormittag tot in dem Haus im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim aufgefunden worden. Entdeckt hatte sie Hilde Seeber, die Frau von Kohls Chauffeur Eckhard Seeber, die sich um den Haushalt kümmert. Die 68-jährige Diplomdolmetscherin war seit 1960 mit Helmut Kohl verheiratet. Zuletzt hatte sie mit ihm an seinen Memoiren gearbeitet, wie sie in einem ihrer letzten Interviews sagte.

Hannelore Kohl wurde am 7. März 1933 als Tochter eines pfälzischen Oberingenieurs in Berlin geboren und wuchs bis Kriegsende in Leipzig auf. Sie hatte sich sozial engagiert und setzte sich vor allem für hirnverletzte Unfallopfer ein. Für ihre Arbeit als Präsidentin des Kuratoriums ZNS für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems wurde sie im Februar 1999 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens ausgezeichnet. 1988 hatte sie bereits den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz erhalten.

(RPO Archiv)
 
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