Wedel verpflichtet Politikerin für "Affäre Semmeling": Heide Simonis geht unter die Schauspieler
zuletzt aktualisiert: 28.04.2000 - 17:27Kiel (AP). "Kamera ab!", hieß es am Freitag auf der Terrasse des Kieler Landeshauses. Wo einst die realen Politaffären um ihre Amtsvorgänger Uwe Barschel und Björn Engholm filmisch nachgestellt wurden, trat jetzt erstmals Ministerpräsidentin Heide Simonis für ein Fernsehspiel vor die Kamera. Kurzfristig hatte Regisseur Dieter Wedel die SPD-Politikerin auf die Besetzungsliste für seinen ZDF-Sechsteiler "Die Affäre Semmeling" gesetzt. Ihr Partner beim Debüt ist der Star der Wedel-Filme, Heinz Hoenig, der den Hamburger Bürgermeister Axel Ropert spielt.
Mit ihrem Auftritt als Kleindarstellerin steht die erste deutsche Ministerpräsidentin in einer Reihe mit Engholm, der als Kanzlerkandidat der SPD in der ZDF-Vorabendserie "Der Landarzt" mitspielte, und Gerhard Schröder, der als Ministerpräsident von Niedersachsen bei der Wedel-Produktion "Der große Bellheim" eine Gastrolle gab. Wedel begrüßte sie mit den Worten: "Nachdem ich mit Herrn Schröder gedreht hatte, wurde der Kanzler." Simonis konterte: "Da braucht mein Gerhard keine Angst zu haben."
Die Dreharbeiten für "Die Affäre Semmeling" begannen Ende März in Hamburg. Es geht darin um den erbitterten Kampf eines Ehepaares (Fritz Lichtenhahn, Antje Hagen) mit dem Finanzamt. Nach einer unerwarteten Erbschaft gerät die Familie Semmeling in das Räderwerk von Steuerfahndung und politischen Interessen. Wie bei Wedel zu erwarten, werden verschiedene Handlungsebenen so miteinander verflochten, dass überraschende Einsichten in politische Zwänge ebenso wie in skandalöse bürokratische Anmaßungen entstehen. Der Sechsteiler soll 2001 gesendet werden.
Simonis spielt sich selbst bei einem Treffens der norddeutschen Regierungschefs. Die Politiker beraten über Strukturhilfen für die Werften. Simonis genoss offensichtlich ihren 30- bis 50-Sekunden-Auftritt, in der sie zur Begrüßung Küsschen mit Hoenig auszutauschen hatte. Locker griff sie in die Textvorlage ein und begrüßte ihren Kollegen Ersten Bürgermeister mit den Worten: "Wir reden aber nicht über den Nordstaat." Hoenig konterte spontan: "Nein, nein! Wir reden heute nur über Kieler Sprotten."
Wedel ließ die Szene fünf Mal wiederholen, bis er zufrieden war, um dann Simonis zu loben: "Das hat sie ausgezeichnet gemacht und eine große Routine bewiesen." Hoenig ergänzte: "Ich finde es toll, wie die Frau Ministerpräsidentin unsere Arbeit hier unterstützt." Und Simonis selbst freute sich offensichtlich darüber, von Hoenig gleich mehrfach geküsst worden zu sein: "Natürlich schmeichelt das!"
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