Ex-Kanzler findet Memoirenschreiben schwerer als erwartet: Helmut Kohl stürzte nach Tod der Frau in "tiefes Tal"
zuletzt aktualisiert: 18.12.2002 - 13:28Hamburg (rpo). Der Selbstmord seiner Frau Hannelore hat Altbundeskanzler Helmut Kohl "in ein tiefes Tal" gestürzt. Nach anderthalb Jahren erhole er sich jetzt langsam wieder, sagte er der Hamburger Zeitschrift "Das Neue Blatt".
Seine Frau habe ihn in ihrem Abschiedsbrief aufgefordert, auch für sie zu arbeiten und zu kämpfen, erzählte er. "Und diesen Wunsch will und werde ich ihr erfüllen."
Der 72-Jährige hat sich daher nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag zunächst darum gekümmert, dass die Arbeit Hannelore Kohls fortgesetzt wird, wie er sagte. Die Kanzlergattin, die sich im Juli 2001 wegen einer unheilbaren Lichtallergie das Leben nahm, war Präsidentin des "Kuratoriums ZNS für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems e.V." gewesen. Der Altbundeskanzler hat nun Ute Ohoven mit der Nachfolge betraut.
Daneben beschäftigt sich Kohl, der 16 Jahre lang Bundeskanzler war und 1972 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, mit dem Schreiben seiner Memoiren. "Das ist eine gewaltige Arbeit, die ich mir leichter vorgestellt habe", sagte er. Den ersten Teil der Biografie möchte er nach eigenen Angaben im Sommer vorlegen.
Sein Pensionärsdasein verbringt Kohl in Berlin und Ludwigshafen. Er möchte das Haus in Oggersheim nicht verkaufen, wie er sagte: "Das Haus haben wir gemeinsam gebaut und daran hängen viele Erinnerungen." Nach dem Tod seiner Frau habe er sein Leben "so geordnet, wie es den heutigen Verhältnissen entspricht". Regelmäßig erhalte er Besuch von seinen Kindern: "Wir haben ein sehr herzliches Verhältnis. Nach dem Tod meiner Frau ist es noch intensiver geworden."
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