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Tipps und Infos zu den zwölf Naturparks in NRW
Tipps und Infos zu den zwölf Naturparks in NRW FOTO: Shiutterstock.com/Andreas Sell
Düsseldorf. Zwei Drittel der Deutschen gehen regelmäßig in den Wald - der Herbst, der heute beginnt, ist mit die beste Jahreszeit dafür. Denn er ist des Winters Frühling, das hat zumindest Toulouse-Lautrec befunden. Von Joris Hielscher und Martina Stöcker

Heute um 16.21 Uhr beginnt der Herbst. Exakt zu diesem Zeitpunkt überquert die Sonne den Himmelsäquator Richtung Südhalbkugel. Tag und Nacht sind dann astronomisch gesehen überall auf der Welt gleich lang. Laut einer Umfrage ist der Herbst nach dem Winter die unbeliebteste Jahreszeit. Das hat er nicht verdient, bringt er doch alle Farben von Gelb, Rot und Braun in die Welt - da ertragen wir auch sein Grau. Allen Herbstgegnern sei mit einem Zitat von Henri de Toulouse-Lautrec der Wind - wie passend! - aus den Segeln genommen: "Der Herbst ist der Frühling des Winters". Besonders jetzt zieht es die Menschen in den Wald. Mehr als zwei Drittel aller Deutschen besuchen ihn regelmäßig - 55 Millionen Menschen sind dies jährlich. Rechnet man seine Erholungsleistung hoch, wäre sie drei Milliarden Euro wert. Mit circa 11,1 Millionen Hektar ist fast ein Drittel Deutschlands von Wald bedeckt. Auf jeden Bürger kommen hundert Bäume. Der Herbst macht Lust, sie zu besuchen.

In diesem Jahr hat sich das Laub besonders früh verfärbt. Die Ursache dafür ist der trockene August. Die Blätter wechselten innerhalb weniger Tage die Farbe, weil der Wald seine Wasserreserven aufgebraucht hatte. "Im Juli war noch relativ viel Feuchtigkeit im Boden, aber seit einigen Wochen ist es richtig trocken", sagt Mathias Niesar, Waldschutzexperte bei Wald und Holz NRW.

Ungewöhnlich ist, dass ausgerechnet die Buche als Erste den Herbst anzeigt. Sonst machen das Birke, Ahorn und Esche. Die Buche verliert ihre Blätter oft erst beim letzten Frost. Viele Buchen haben in diesem Jahr ein Mastjahr: Sie produzieren besonders viele Samen, die Bucheckern. Im Abstand von mehreren Jahren werfen sie große Samenmengen ab - das bedeutet Stress und benötigt viel Energie, und deshalb fallen die Blätter so früh. Hartnäckig hält sich trotzdem das Gerücht, dass viele Bucheckern oder Eicheln auf einen kalten Winter hindeuten, weil sich die Tiere damit eine Speckschicht anfuttern können. "Das ist aber ein Mythos", betont Michael Blaschke, Sprecher von Wald und Holz NRW. Kein Organismus könne in die Zukunft blicken - weder Zugvögel noch Bäume. "Sie reagieren nur auf aktuelle Ereignisse" - wie Wärme- oder Kälteeinbrüche oder eben Trockenheit. Laut Deutscher Wildtierstiftung produzieren Buchen in Bayern dieses Jahr bis zu 50 Kilo pro Baum. Bucheckern enthalten viel Zink und Eisen und sind in der Küche ähnlich wie Nüsse zu verwenden.

Herbst ist Wanderzeit. Aber nun wird auch das Holz geerntet, und das führt laut Blaschke schon einmal zu vielen Konflikten, wenn naturbegeisterte Wanderer auf Waldarbeiter treffen. Besonders im urbanen Raum fehle den Waldbesuchern das Verständnis dafür, dass das Holz für ihre gewünschten Fenster, Möbel und das Parkett irgendwoher kommen müsse. Waldarbeiter seien schon tätlich angegriffen worden, weil sie Bäume fällten. Der Betrieb Wald und Holz NRW schickt sein Personal deshalb schon zu Deeskalationstrainings. Der Wald im Land diene zwar der Naherholung und sei Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Doch er ist auch ein riesiger Wirtschaftsraum, sagt Blaschke. 95 Prozent sind Wirtschaftswald, und er sei auch deshalb so schön, weil er seit Jahrhunderten gepflegt und genutzt werde. Für den Forstbetrieb gilt immer die Regel: Es wird nie mehr geerntet, als nachwächst. "Vor mehr als 300 Jahren war das anders, Deutschland war entwaldet, weil die Flächen zu viel genutzt wurden", sagt Blaschke. Damals entstand die Forstwirtschaft, von deren gepflegter Kulturlandschaft Spaziergänger und Wanderer heute noch profitieren.

Der fehlende Regen sorgt zurzeit auch bei Pilzsammlern für leere Körbe. Es braucht allerdings nur ein bis zwei feuchte und nicht allzu kalte Wochen, damit sich die Pilze sehen lassen.

Für wild lebende Tiere ist der Herbst eine anstrengende Zeit, da sie sich in den kommenden Wochen auf den Winter vorbereiten. Waldtiere wie Rehe, Hirsche oder Wildschweine fressen sich Fettreserven an. Andere Tiere legen Vorräte an. Eichhörnchen sammeln Eicheln, Bucheckern und Nüsse und vergraben sie im Boden. Und auch der Igel macht sich in den kommenden Wochen auf Nahrungssuche, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten, und ist deshalb auch häufig tagsüber zu sehen. Wer einen Igel im Garten hat, sollte Äste und Laub liegenlassen. Damit baut er sein Winterquartier. "Besonders gut lassen sich auch Vögel im Herbst beobachten", sagt Lars Friman vom Naturschutzbund Deutschland. Denn die einheimischen Singvögel, die den Sommer über im Wald gebrütet haben, zieht es jetzt vermehrt in Gärten und auf Felder. Vor allem hat der Vogelzug nach Süden begonnen und sorgt für beeindruckende Formationen am Himmel.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gibt der Herbst seinen Einstand heiter und freundlich. Es bleibe trocken, und die Temperaturen erreichten bis zu 23 Grad. Deutlich kühler werden nun die Nächte - die Tiefsttemperaturen sinken voraussichtlich auf vier bis fünf Grad. Das erhöht die Chancen auf Nebel am Morgen.

Magie und Faszination des Waldes haben Tierfilmer Andreas Kieling und Fotograf Kilian Schönberger für einen Bildband festgehalten. In "Sehnsucht Wald" begleiten sie alle Jahreszeiten. Über den Herbst heißt es: "Der Wald klingt nun ganz anders als im lieblichen Frühling oder im rauschenden Überfluss des Sommers. Die Zugvögel haben in großen Schwärmen die Wälder verlassen. Zunehmend hallt jetzt das klagende Krächzen der Krähen durch die fast kahlen Wälder." Wenn es zu nass und kalt für einen Spaziergang ist, lässt sich mit diesem Buch auf dem Sofa durch Wälder streifen.

"Sehnsucht Wald", Andreas Kieling, Kilian Schönberger, National Geographic. 49,99 Euro

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Quelle: RP
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