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Namen verwechselt: Historiker zweifelt an Ort des Schröder-Grabs

zuletzt aktualisiert: 19.04.2001 - 16:39

Ceanu Mare (rpo). Wo ist das Grab des Kanzler-Vaters Fritz Schröder? Um diese Frage gibt es jetzt wieder Wirbel. Der Historiker Gheorghe Bodea, Experte für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Rumänien, glaubt, das Grab liege möglicherweise nicht wie bislang angenommen im Dorf Ceanu Mare.

Demnach habe das Rote Kreuz möglicherweise den alten Namen von Ceanu Mare versehentlich mit Pusztacsan angegeben. Ceanu Mare hieß damals in Wirklichkeit Mezönagycsan. Das damalige Pusztacsan heißt heute Ceanu Mic und liegt etwa 30 Kilometer westlich von Ceanu Mare. Fritz Schröder, Vater von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), war am 4. Oktober 1944 als Obergefreiter der Wehrmacht gefallen.

Unklar ist bislang, ob das Deutsche Rote Kreuz bei seinen Recherchen vom damals offiziellen Ortsnamen Pusztacsan ausgegangen ist. In diesem Fall könnte es zu einer Verwechselung zwischen Ceanu Mic und Ceanu Mare gekommen sein. In Ceanu Mare gibt es auf dem Kirchhof ein gepflegtes Grab unbekannter Soldaten. Nach Angaben von Lokaljournalisten liegt bei Ceanu Mic ein nicht gekennzeichnetes Massengrab deutscher Soldaten.

Bodea, Direktor des Nationalen Historischen Museums von Transilvanien in der siebenbürgischen Stadt Cluj, ist Vorsitzender eines Vereins für Kriegsgräberpflege. Er berichtete, dass die heftigsten Kämpfe zwischen Wehrmacht und der rumänischen Armee zum Zeitpunkt des Todesdatums von Fritz Schröder bei Ceanu Mic, wo auch das Massengrab liegen soll, stattgefunden haben. Die meisten dabei gefallenen deutschen Soldaten seien auf dem jüdischen Friedhof in Cluj beigesetzt worden.

Nach Angaben des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes in München ist das Grab in Ceanu Mare seit 1978 als Ruhestätte des Vaters von Schröder belegt und bisher niemals angezweifelt worden. Es liege neben der orthodoxen Kirche und sei als "Grab B" kartiert. Der Volksbund der Deutschen Kriegsgräber in Berlin habe alle Unterlagen. Der Leiter des Suchdienstes sagte, mit Gewissheit könne bei 151 000 Friedhöfen mit deutschen Soldaten in Osteuropa niemand genau sagen, ob ein einzelner in diesem oder anderen Grab liegt.

Eine Sprecherin der Bundesregierung sagte, ihr Wissensstand sei nach wie vor der, dass das Grab von Fritz Schröder in dem Ort Ceanu Mare liege. Das Presseamt sehe die Sache im übrigen als "Privat- Angelegenheit" des Kanzlers an. Schröder hatte angekündigt, das Grab seines Vaters besuchen zu wollen.

Quelle: RPO Archiv

 
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