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Düsseldorf
HIV-infiziertes Kind nicht behandelt - Vater verurteilt

HIV-infiziertes Kind nicht behandelt - Bewährungsstrafe für Vater
FOTO: dpa, fc wok fpt
Düsseldorf. Ein Vater aus Neuss ist vor dem Düsseldorfer Amtsgericht zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er und seine Frau die HIV-Infektion ihres Kindes schon in der Schwangerschaft verschwiegen und später eine Behandlung verweigert hatten. Die Mutter, ebenfalls angeklagt und per Haftbefehl gesucht, lebt wohl mittlerweile im Ausland und erschien nicht zum Prozess.

Der heute Sechsjährige könnte ein gesunder, glücklicher Junge sein. Stattdessen ist er schwerstbehindert und ein Pflegefall. Er kann nicht sprechen, nicht essen und sitzt in einem Spezial-Rollstuhl. Seine Eltern hatten zunächst die HIV-Infektion der Mutter verschwiegen, dann HIV-Tests beim Kind verweigert und schließlich eine Therapie nach Ausbruch von Aids trotz Warnungen der Ärzte mehrfach abgebrochen. Stattdessen hatten sie das Kind aus einer Klinik entführt und zu einem Wunderheiler gebracht.

Das Paar von der Elfenbeinküste hatte seit 2003 zwei gesunde Kinder gezeugt. Doch als die Frau zum dritten Mal schwanger wurde, hielt sie ihre Aids-Infizierung geheim. Dabei betonte ein Kinderarzt (55) der Uni, dass die Chancen für das Baby "sehr gut" gewesen wären - wenn vor und nach der Geburt die Infizierung bekannt gewesen wäre. Statt wegen "böswilliger Vernachlässigung" der Elternpflichten, wie die Anklage zunächst lautete, erging das Urteil nun wegen "Misshandlung des Schutzbefohlenen durch Quälen".

(dpa/wuk)
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