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Hochhausbrand in London
Beispielloses Inferno

Großbrand in Londoner Hochhaus
Großbrand in Londoner Hochhaus FOTO: dpa
Meinung Brände in Hochhäusern hat es in London schon oft gegeben. Aber keines war so schnell und so katastrophal wie dieses Höllenfeuer. Die Verantwortung des Hausverwalters wird zu klären sein.  Von Jochen Wittmann, London

In ihrer 29-jährigen Karriere als Feuerwehrfrau, sagte die Chefin der "London Fire Brigade" Dany Cotton, "habe ich noch nie etwas in diesen Dimensionen erlebt. Und ich habe viele Hochhausbrände gesehen." Tatsächlich ist das Inferno des Grenfell Tower beispiellos. Das Feuer, das in einer der Wohnungen im vierten Stock ausbrach, konnte sich in Windeseile ausbreiten und binnen Stunden das gesamte Gebäude, 24 Stockwerk hoch, verschlingen. Brände in Hochhäusern hat es in London schon oft gegeben. Aber keines war so schnell und so katastrophal wie dieses Höllenfeuer.

Noch arbeitet sich die Feuerwehr durch die Flammenruine und will noch nichts zur Ursache sagen. Doch man kennt schon beunruhigende Fakten. Es gab keinen Feueralarm im Gebäude. Auch ein Sprinkler-System war nicht installiert. Die Fassadenverkleidung wurde zum Brandbeschleuniger und hat das Feuer vertikal ausgebreitet. Und die Mietergemeinschaft des Grenfell Tower hatte schon vor Jahren vor unzureichendem Brandschutz gewarnt.

Die konkrete, möglicherweise justiziable Verantwortung der Gesellschaft, die das Gebäude verwaltet hat, wird in den nächsten Tagen zu klären sein. Darüberhinaus hat die Tragödie aber auch ein politisches Nachspiel. Denn eine Kommission zur Brandprävention hatte schon 2013 Empfehlungen abgegeben, die bisher aber nicht umgesetzt wurden. Die Spur führt bis in die Downing Street. Gary Barwell, der neue Stabschef von Premierministerin Theresa May, war in seinem vorherigen Job der zuständige Wohnungsminister, der die Empfehlungen ignorierte.

 
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