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Köln
Hohe Mieten, kleine Sofas

Köln. Auf der weltgrößten Möbelmesse IMM in Köln stellen 1200 Aussteller aus 50 Ländern die Wohntrends der Zukunft vor. Von Dagmar Haas-Pilwat

Die gute Wirtschaftslage lockt die Deutschen in die Möbelhäuser. Die Branche meldet ein Umsatzplus von fünf Prozent für das abgelaufene Jahr und rechnet auch 2016 mit einem positiven Ergebnis. "Die Kaufbereitschaft der Verbraucher ist stark ausgeprägt", sagt Thomas Grotkopf, Verband der Deutschen Möbelindustrie (BVDM). Bei der tonangebenden Schau in Köln stehen nun die Einrichtungs- und Wohn-Neuheiten im Mittelpunkt.

Im Kommen sind intelligente Möbel und das vernetzte Wohnzimmer. Einrichtungen werden leichter und luftiger, die Möbel nach den Entwürfen der Designer wieder kleiner und multifunktionaler. Vorbei die Zeiten, in denen Sofas so groß wie ganze Wohnlandschaften waren. Angesichts weiter steigender Mieten in den Großstädten will die Branche ihr Angebot so auf zunehmend kleinere Wohnungen ausrichten.

"Der Trend zur deutschen Gemütlichkeit hält an", sagt Ursula Geismann, Trendexpertin vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Flauschige Kissen, warme Farben, sanfte Materialien und Formen statt kühl-puristischem Mobiliar. "Die Möbelhersteller sind vor allem innovativ in den Details und technischen Finessen, wie gute Rollen oder eine Aufladestation fürs Handy in der Kommode", sagt Geismann. So werden auch Bezugsstoffe für Sofa und Stühle robuster, und man kann einen weißen Bezug nehmen, ohne Angst zu haben, dass er nach zwei Wochen dreckig ist.

Dem Bett und vor allem dem Dauerbrenner Boxspringbett wird zunehmend Aufmerksamkeit zuteil. "In einer stressgewohnten Gesellschaft steigt das Bewusstsein für den Wert guten Schlafs", sagt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung KölnMesse. Im Neubau schrumpfen dagegen Kinderzimmer und werden klar in eine Lern- und Ruhezone eingeteilt. Gleichzeitig wachsen begehbare Kleiderschränke und das zur Wellness-Oase gewordene Badezimmer.

Der Wunsch nach Konnektivität zeigt sich auch beim Wohnen, wenn ein Backofen vom Wohnzimmer aus mit dem Smartphone überprüft, ein Licht aus dem Urlaub an- und ausgeschaltet wird, wenn die Frontscheibe einer Mikrowelle gleichzeitig ein PC-Monitor ist und Sideboards unauffällig einen Fernseher integrieren oder Spiegel fürs Bad mit TV-Flächen kommen. Marion und Christoph Flötotto vom gleichnamigen Hersteller aus Gütersloh haben in einer Schauwohnung alles zusammengeführt, was an Smart-Technologie auf dem Markt ist, darunter auch einen Teppich, der merkt, wenn man ihn betritt, und die Toilette, die sich selbst reinigt.

Vorbei die Zeiten, in denen ein Regal nur zum Verstauen von Büchern und anderen Dingen genutzt wurde. Auf dem Vormarsch sind Multifunktionsmöbel. In kleinen Wohnungen lindern sie die Platznot, wenn die Couch zum Bett ausgezogen werden kann, oder das Regal gleichzeitig als Raumteiler dient. Und während früher die Schrankwand ihr Leben lang am gleichen Ort stand, geht der Trend heute zu Elementen, die sich neuen Gegebenheiten schnell anpassen können. Viele Möbelstücke erhalten aus diesem Grunde zurzeit Rollen und sind flugs von einer in die andere Ecke geschoben. Beliebt sind leichte Wohnwände, die den Flachbildschirm elegant integrieren und flexibel, ganz nach Wunsch verändert werden können. Auch Vorhänge oder Sofas eignen sich perfekt, um die verschiedenen Rückzugsorte optisch voneinander abzugrenzen.

Immer öfter werden Möbel bequem im Internet bestellt. 2015 wurden laut BVDM rund zwei Milliarden Euro, also gut sechs Prozent des Gesamtumsatzes von 32,6 Milliarden Euro online mit Möbeln und Küchen umgesetzt.

Quelle: RP
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