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Paris
Hollandes heikles Privatleben

Paris. Die französische Schauspielerin Julie Gayet ist die Freundin des Präsidenten François Hollande. Das Paar verhält sich äußerst diskret. Doch ganz versteckt will die Schauspielerin nicht mehr leben, wie ihr letzter Auftritt zeigt. Von Christine Longin

Endlich mussten die Paparazzi einmal nicht auf der Lauer liegen, um ein Foto von Julie Gayet in der Nähe von François Hollande zu erhaschen. Beim Gedenken an den französischen Widerstand gegen Nazi-Deutschland vergangene Woche trat das Liebespaar erstmals gemeinsam auf. Zumindest fast: Gayet erschien an der Seite ihres Großvaters, des Widerstandskämpfers Alain Gayet, den sie im Rollstuhl zu der Feier schob. Hollande erfüllte ein paar Meter weiter weg seine Rolle als Staatschef.

Kenner der Schauspielerin sehen in dem Auftritt, den sie im eleganten schwarzen Kleid absolvierte, den Beginn einer neuen Phase. "Sie möchte nicht an eine offizielle Rolle gefesselt sein, aber sie will existieren, und dieser Auftritt ist der Beweis dafür", sagt der Gayet-Experte und Journalist Marcelo Weifreid im Fernsehen.

Seit Januar 2014 ist bekannt, dass die 43-Jährige mit dem französischen Präsidenten liiert ist. Peinliche Fotos des Staatschefs, der mit dem Motorroller zum Liebesnest nur 100 Meter vom Elysée entfernt fuhr, sorgten damals weltweit für Aufsehen. Im Zuge der Affäre trennte Hollande sich von seiner langjährigen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler, die hinterher in dem Buch "Merci pour ce moment" mit ihrem Partner abrechnete. Der ohnehin zurückhaltende Hollande achtete danach penibel darauf, dass nichts mehr über sein Privatleben nach draußen drang. "Privates muss privat bleiben", lautet das Motto des 60-Jährigen.

In den Monaten nach dem Skandal verhielt sich das Paar deshalb äußerst diskret. Zeugen berichteten zwar, dass Gayet, die mit dem argentinischen Regisseur Santiago Amigorena zwei Söhne im Teenageralter hat, im Elysée-Palast ein und aus gehe - allerdings durch den Hintereingang. Fotos, die das Paar im November 2014 im Garten des Elysée zeigten, hatten Konsequenzen: fünf Angestellte des Präsidentenpalastes, die offenbar für die Aufnahmen verantwortlich waren, mussten gehen. Doch den Paparazzi gelangen weitere Fotos, beispielsweise vom Osterspaziergang der beiden im Park der Wochenendresidenz La Lanterne in Versailles.

Gayet ist als Schauspielerin in Frankreich nur durch kleine Rollen bekannt. Dass die stets lächelnde Blonde auch eine erfolgreiche Produzentin ist, wissen nur Kenner des Filmgeschäfts. Beim Filmfest in Cannes ist Gayet deshalb regelmäßig zu sehen. Doch mit ihrem Auftritt an der Seite ihres Großvaters hat die Schauspielerin gezeigt, dass sie auch jenseits der Filmkulisse ihren Platz sucht und das Versteckspiel um ihre Beziehung satt hat.

Es gibt keinen Zweifel, dass die beliebte 43-Jährige mit ihrer herzlichen Art und ihrem sicheren Stil eine repräsentative Rolle gut ausfüllen würde. Wuchs Gayet doch in einer großbürgerlichen Pariser Familie auf, die Mutter Antiquarin, der Vater Chirurg. Aber die Schauspielerin will offenbar gar nicht neben Hollande stehen, wenn er die Staatsgäste empfängt. "Julie ist eine überzeugte Feministin", zitiert die Zeitschrift "Gala" eine Person aus der Umgebung des Paares. Stattdessen scheint Gayet eine neue Art von First Lady werden zu wollen: die "Erste Geliebte 2.0", die sich zeigt, wann sie will, und ansonsten ihr eigenes Leben lebt.

Quelle: RP
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