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Experten warnen vor SARS-Panikreaktion: Hongkong richtet Quarantänelager ein

zuletzt aktualisiert: 01.04.2003 - 14:48

Hongkong/Berlin (rpo). Bewohner eines Wohnblocks in Hongkong sollen in ein Quarantänelager auf dem Lande umziehen. In dem Häuserblock sind offenbar weit über 100 Menschen an SARS erkrankt.

Betroffen sind von der Maßnahme rund 240 Menschen. Die Wohnanlage Amoy Garden war zuvor bereits von der Außenwelt isoliert worden. Am Montag waren von dort 88 SARS-Erkrankungen gemeldet worden, am Dienstag weitere 52. Amtlichen Angaben zufolge wurden insgesamt 75 weitere Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) registriert.

Den Gesundheitsbehörden zufolge sollen die Bewohner in Ferienlagern in den so genannten New Territories untergebracht werden. Dies sind ländliche Gebiete außerhalb des Stadtzentrums der früheren britischen Kronkolonie.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bis Montagabend weltweit 1622 SARS-Fälle und 58 Tote registriert. Aus Angst vor der asiatischen Lungenerkrankung sagte das Weltwirtschaftsforum eine Konferenz mit 500 Spitzenleuten aus Politik und Wirtschaft in Peking ab, um "unnötige Risiken zu vermeiden", wie Fon Mathuros vom Organisationsteam mitteilte. Auf dem "China Business Summit 2003" sollte am 14. und 15. April über die Herausforderungen und Chancen für Chinas neue Regierung diskutiert werden. Erstmals sollten auch die Welthandelsorganisation (WTO) und UN-Handelsorganisation (UNCTAD) beteiligt werden.

In Hongong gab es Panikkäufe, nachdem über das Internet das Gerücht verbreitet wurde, die Metropole könne wegen ihrer hohen Zahl von Erkrankungen zum infizierten Gebiet erklärt werden. Die Regierung sah sich gezwungen, dem Gerücht zu widersprechen, dass auch Supermärkte, der Flughafen und Seeverkehr gesperrt würden. Gesundheitsministerin Magaret Chan betonte, alles werde normal weiterlaufen. In Hongkong sind nach Behördenangaben 600 Menschen infiziert und 15 gestorben.

Nach der beunruhigenden Entwicklung der vergangenen Tage haben Experten vor einer Panikreaktion wegen der Lungenkrankheit SARS gewarnt.

Vor der Panikreaktion hat das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut gewarnt. Im Gegensatz etwa zu Influenza sei keine seuchenartige Ausbreitung zu beobachten, sagte der Direktor des Instituts, Bernhard Fleischer, der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe). Die Lungenkrankheit sei nur im direkten Kontakt mit Erkrankten übertragbar. Das lasse hoffen, dass das Ganze kontrollierbar sei, sagte Fleischer.

Es sei aber nach wie vor möglich, dass Leute nach Deutschland einreisten, die sich bereits infiziert hätten, sagte die Infektionsexpertin des hessischen Sozialministeriums, Angela Wirtz. Allein am Frankfurter Flughafen träfen täglich Dutzende von Flugzeugen aus Hongkong, Singapur und Peking ein. Weitere Passagiere aus Fernost reisten über Flughäfen wie London oder Amsterdam ein.

Australien bestätigt SARS-Fall

Die australischen Behörden haben am Dienstag den ersten bestätigten Fall der gefährlichen Lungenkrankheit SARS gemeldet. Der Patient habe sich aber wieder erholt, und die Krankheit habe sich nicht ausgebreitet, erklärte der Leiter der Gesundheitsbehörde, Richard Smallwood. Der Australier, der vor seiner Erkrankung in Singapur war, wurde Ende Februar in einem Krankenhaus in Sydney erfolgreich behandelt, wie Smallwood sagte. Er sei entlassen worden, bevor das Schwere Akute Atemwegsyndrom (SARS) bekannt geworden sei. Weltweit sind bislang mehr als 1.600 Menschen in 15 Ländern an SARS erkrankt, mehr als 60 Menschen starben an den Folgen der Lungenkrankheit.


 
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