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Mönchengladbach
Hund frisst Köder mit Rasierklinge

Mönchengladbach. Eine falsche Bewegung - und der kleine Hund hätte nicht überlebt: Eine Klinge steckte tief in seiner Magenschleimhaut. Von Leslie Brook und Sabine Kricke

Rolf E. ist immer noch fassungslos. Der Mönchengladbacher musste mit ansehen, wie Familienhund "Bounty" am Wochenende beinahe an einer verschluckten Rasierklinge gestorben wäre. Eine Klinge, die vermutlich Hundehasser in einem Köder versteckt hatten. "Das war wirklich knapp. Eine falsche Bewegung und ,Bounty' wäre gestorben", sagt der 43-Jährige. Der Malteser-Shih-Tzu-Mix wurde am Sonntag in einer Tierklinik notoperiert. "Er ist noch ein bisschen schlapp, aber wir sind froh, dass er wieder bei uns ist."

Auch in Remscheid, Gelsenkirchen, Duisburg, Viersen und Bochum wurden Hunde in den vergangenen Wochen Opfer von mit Nadeln, Klingen oder Gift gespickten Ködern - meist konnten die Tiere durch Not-Operationen gerettet werden. In Remscheid-Lüttringhausen hatten zwei Hunde unabhängig voneinander Köder mit Rattengift gefressen und mussten von einem tierärztlichen Notdienst behandelt werden, berichtet die Wuppertaler Polizei.

Bockwurst war mit Stecknadeln gespickt

In Bochum entdeckte eine Frau beim Ausführen ihres Hundes mehrere Stückchen Bockwurst, die mit Stecknadeln gespickt waren. Die Köder waren an verschiedenen Stellen in einer Parkanlage ausgelegt worden. In Duisburg hatte ein Hundehasser Köder mit Rattengift verstreut. Waffeln und Tortellini waren von einem Unbekannten mit rotgefärbten Flocken bedeckt und unter einem Baum platziert worden. Bei den roten Flocken handelte es sich um Rattengift, das nach Angaben der Hundebesitzerin bereits mehrfach in der Nachbarschaft gefunden worden war. Ihr Labradormischling fraß davon und musste in einer Tierklinik behandelt werden.

Rattengift braucht teils mehrere Tage, bis die Wirkung einsetzt. Die Blutgerinnung wird durch die Hemmung der Vitamin-K-Synthese in der Leber massiv gestört, so dass das Tier innerlich verblutet, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Die verzögerte Wirkung macht es schwierig nachzuvollziehen, wo die Tiere mit dem Gift in Berührung gekommen sind. So zeigten zwei Hunde in Gelsenkirchen in der vergangenen Woche erst 24 Stunden nach dem Spaziergang in einer Parkanlage Vergiftungserscheinungen wie Krämpfe und Nervenzucken. Der Gesundheitszustand der Hunde war kritisch, so die Polizei.

Rasierklinge steckte in der Magenschleimhaut 

Dem Mönchengladbacher Rolf E. war während des Spaziergangs aufgefallen, dass seine Hunde, "Bounty" und "Tom", auffällig ruhig waren. "Tom", ein Yorkshire-Terrier-Mix, habe dann sein Geschäft gemacht. "Da sich beide Hunde wirklich auffällig verhalten haben, habe ich mit Handschuhen den Kot von Tom untersucht und darin eine Rasierklinge gefunden", berichtet E.

Umgehend sei die Familie mit den Hunden in eine Tier-Notfallpraxis gefahren. "Dort wurden dann Ultraschallbilder gemacht. ,Tom' hatte die Klinge tatsächlich schon ausgeschieden, aber bei ,Bounty' steckte sie noch in der Magenschleimhaut", erzählt der Hundehalter.

Rolf E. warnt andere Hundehalter in lokalen Facebook-Gruppen vor den Ködern. Anzeige hat er nicht erstattet, weil das seiner Meinung nach nichts bringt. Laut Polizei gibt es keine Häufung der Fälle. Unterdessen erfreuen sich Internetseiten wie Giftkoeder.de großer Beliebtheit. Dort können Hundehalter Stellen markieren, an denen sie Köder gefunden haben. "Dass daran Hunde qualvoll sterben können, ist ja schon schlimm, aber denken die Täter mal darüber nach, dass vielleicht auch kleine Kinder solche Köder verschlucken könnten?", fragt E.

In Zukunft will er nur noch in Begleitung mit den Hunden Gassi gehen. "Da hat man ganz genau im Blick, an was die Hunde schnüffeln oder was sie fressen". Eine andere Route will er jedoch nicht wählen. "Dann hätten die Hundehasser erreicht, was sie wollten. Nein, die Hunde sollen lieber in ihrer gewohnten Umgebung sein."

Quelle: RP
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