Bahn weist alle Vorwürfe zurück: Info-Panne bei Zugunglück in Bad Münder?
zuletzt aktualisiert: 26.09.2002 - 08:42Bad Münder (rpo). Bei dem Zugunglück in Bad Münder, bei dem ein Kesselwagen mit Gift explodiert war, hat es offenbar eine Informations-Panne gegeben.
Über die giftige Fracht des explodierten Kesselwagens sind einem Zeitungsbericht zufolge die Einsatzkräfte erst nach mehr als einer Stunde informiert worden. Die in Hannover erscheinende "Neue Presse" beruft sich in ihrem Bericht am Donnerstag auf ein detailliertes Einsatzprotokoll der Feuerwehr zum Zusammenstoß der beiden Güterzüge vor gut zwei Wochen. Dabei war der Krebs erregende Stoff Epichlorhydrin freigesetzt geworden. Hunderte Anwohner und Einsatzkräfte mussten danach ärztlich behandelt werden.
Die Feuerwehr erfuhr laut Bericht erst 68 Minuten nach dem Frontalzusammenstoß der Züge, dass ein Waggon mit Epichlorhydrin beladen war. Die Bahn hatte bisher angegeben, unverzüglich über die Giftfracht informiert zu haben. Eine aktuelle Stellungnahme war am Donnerstagmorgen zunächst nicht zu erhalten.
Weiter heißt es im Protokoll, die Einsatzkräfte hätten am Bahnhof von Bad Münder mehr als eine Stunde auf den Notfallmanager der Bahn warten müssen. Dieser sollte die Oberleitungen erden, um die Feuerwehr vor Stromschlägen zu schützen. Nach dem Feuerwehr-Bericht war der Manager zwar kurz nach dem Unglück vor Ort, hatte aber sein Werkzeug vergessen und musste wieder abrücken.
Die Bahn hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, die Einsatzkräfte zu spät über die giftige Fracht des explodierten Kesselwagens informiert zu haben. "An einem Schild an dem Waggon konnte die Feuerwehr sofort erkennen, um welchen Stoff es sich handelt", sagte Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns am Donnerstag. Die Ladeliste des Zuges sei in der Notfallzentrale der Bahn abrufbar gewesen. 27 Minuten nach dem Unfall sei zudem per Fax über das Epichlorhydrin an Bord des Zuges informiert worden.
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