Schulleiter und Schüler lebensgefährlich verletzt: Internatsschüsse: Vater festgenommen
zuletzt aktualisiert: 18.03.2000 - 12:27Rosenheim/Brannenburg (dpa). Nach der Bluttat in einem Internat im oberbayerischen Brannenburg hat die Polizei am Freitag den Vater des 16-jährigen Täters festgenommen. Der Ermittlungsrichter in Rosenheim erließ am Nachmittag Haftbefehl. Er wurde ins Untersuchungsgefängnis gebracht, wie die Polizeidirektion am Abend mitteilte. Aus dem Waffenarsenal des Mannes stammte die Tatwaffe.
Damit hatte der Schüler am Donnerstag zuerst den Leiter des Internats mit einem Halsschuss lebensgefährlich verletzt und sich anschließend selbst in den Kopf geschossen, nachdem er von der Schule verwiesen worden war. Die Polizei fand bei einer Durchsuchung des väterlichen Hauses rund 50 Waffen und dazugehörige Munition.
Zu dem Waffenarsenal in einem verschlossenen Kellerraum gehören 43 Langwaffen, drei Kurzwaffen, drei Maschinenpistolen, drei Maschinengewehre, eine großkalibrige Pumpgun, 20 Hieb- und Stichwaffen sowie 6 500 Schuss Munition. Waffen und Munition waren nicht vorschriftsgemäß getrennt aufbewahrt. Bis auf zwei Maschinengewehre und drei -pistolen befanden sich die Waffen im legalen Besitz des Vaters, der EDV-Unternehmer und Sportschütze ist.
Der Jugendliche hatte am Donnerstag nach Angaben der Polizei fünf Schüsse aus rund sieben Metern Entfernung auf seinen ehemaligen Lehrer abgegeben und ihn dabei in den Hals getroffen. Der 16-Jährige hatte 100 Schuss Munition für die Tatwaffe, einem «Colt» vom Kaliber 45, sowie eine zweite Pistole bei sich. Nach Angaben des Rosenheimer Polizeidirektors Franz Mayer hätte der Schüler damit ein Blutbad anrichten können.
Gegen den Vater des jugendlichen Täters wurde Haftantrag gestellt. Er sollte noch am Freitag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die zuständige Staatsanwaltschaft prüft ein Verschulden des Vaters. Dessen Sohn galt in der Schule als «verhaltensauffällig» und war im Januar bei einer Schlägerei in Rosenheim aufgefallen. Bis jetzt gebe es keinerlei Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Tat.
Opfer und Täter waren noch am Donnerstagabend nach Reanimation mit Rettungshubschraubern in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Sie schwebten am Freitag mit weiter in Lebensgefahr. Motiv für die Bluttat war nach Polizeiangaben der Verweis von der Schule. Bei einem Drogentest wurde bei dem Schüler der Konsum von Cannabis (Haschisch) nachgewiesen.
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