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New York
Israelische Olympia-Geisel wurde kastriert

New York. Das Olympia-Attentat 1972 in München ist auch heute noch ein Trauma für Deutschland, Israel und die Opferfamilien. Nun kommen furchtbare Einzelheiten ans Licht. Die "New York Times" hat mit zwei israelischen Witwen gesprochen.

Ankie Spitzer ist die Witwe des israelischen Fechttrainers André Spitzer, Ilano Romano war mit dem Gewichtheber Josef Romano verheiratet, bis dieser ermordet wurde. Die beiden Frauen berichten nun, dass die palästinensischen Angreifer ihre Opfer grausam misshandelten. Im September 1992, also 20 Jahre nach dem Attentat bei den Olympischen Sommerspielen in München, seien sie von ihrem Anwalt in dessen Wohnung gerufen worden. Er habe von den deutschen Behörden neue Fotos vom Anschlag erhalten, wolle sie ihnen aber nicht zeigen, ohne dass ein Arzt anwesend sei - so grausam war das Dargestellte. Die Bilder zeigten, dass die als Geiseln festgehaltenen israelischen Sportler geschlagen und ihre Knochen gebrochen wurden.

Die "New York Times" hat bisher wenig bekannte Einzelheiten über das Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft 1972 veröffentlicht. Gespräche mit den Witwen hätten neue, schreckliche Details zutage gefördert, berichtete die Zeitung.

Einem ihrer Opfer - dem Gesichtsheber Josef Romano - trennten die Peiniger den Angaben zufolge seine Geschlechtsteile ab - vor den Augen der anderen Geiseln. "Sie haben seine Genitalien durch die Unterwäsche abgeschnitten und ihn missbraucht", sagte seine Witwe Ilana Romano der Zeitung. "Können Sie sich die neun anderen (Geiseln) vorstellen, die gefesselt danebensaßen?"

Die Zeitung sprach anlässlich der Dreharbeiten zu einem neuen Film "Munich 1972 & Beyond" (etwa: "München 1972 & danach") sowie in einer Serie von Hintergrundgesprächen mit den Hinterbliebenen. In der Dokumentation geht es um den Kampf der Opferfamilien für eine Gedenkstätte für ihre getöteten Angehörigen.

Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation "Schwarzer September" - einer Unterorganisation der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) - nahmen die Sportler bei den Sommerspielen im September 1972 im Olympischen Dorf als Geiseln. Sie wollten mit dieser Aktion Gefangene in Israel freipressen. In dem Appartement und bei einer späteren Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck starben elf Sportler und ein Polizist. Auch fünf Terroristen kamen ums Leben. Die Spiele wurden nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt.

Auf die Frage, warum sie gerade jetzt an die Öffentlichkeit gehe, sagte Romano gestern der israelischen Nachrichtenseite "ynet": "Ich habe verstanden, dass es keinen anderen Weg gibt. Ich muss die härteste Trumpfkarte herausholen - was ich über die Jahre immer vermieden habe. Das Ziel ist es, dass diese schreckliche Tragödie nicht vergessen wird, und Druck auf das olympische Komitee auszuüben, damit in Zukunft eine Schweigeminute (für die israelischen Sportler) eingehalten wird."

Die Angehörigen haben laut "New York Times" erst so spät von den Einzelheiten erfahren, da die deutschen Behörden ihnen vorher keine Einsicht in die Dokumente gewährten, deren Existenz jahrelang verschwiegen worden sei. Die darin enthaltenen Fotos seien "so furchtbar, wie in meinen schlimmsten Vorstellungen", sagt Ilana Romano. "Die Terroristen haben immer behauptet, dass sie nicht als Mörder nach München kamen, sondern mit dem Überfall nur gefangene Palästinenser befreien wollten", sagt Ankie Spitzer. "Sie kamen aber, um Menschen zu verletzen. Sie kamen, um zu töten."

Der Anwalt von Ilana Romano und Ankie Spitzer hatte mit den beiden Frauen vereinbart, niemals in der Öffentlichkeit über das Gesehene zu reden. Ihren Familien sagten sie lediglich, dass es schwer gewesen sei, sich die Bilder anzuschauen.

(dpa/RP)
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