Nach Hormonbehandlung: Italienerin erwartet Achtlinge
zuletzt aktualisiert: 08.09.2000 - 12:54Mailand/Rom (dpa). In Italien sollen erstmals Achtlinge zur Welt kommen. Dazu wurde die 31-jährige Mariella Mazzara ins Mailänder Niguarda-Krankenhaus gebracht, berichtete die italienische Zeitung "Il Messaggero" am Freitag. Da die Frau erst in der 24. Schwangerschaftswoche sei, wollten die Ärzte den Kaiserschnitt zwar so lange wie möglich hinauszögern. "Doch wegen der Komplikationen kann es jeden Tag so weit sein", meldete das italienische Fernsehen.
Die aus Trapani (Sizilien) stammende Hausfrau hatte sechs Jahre vergeblich auf Nachwuchs gewartet und sich deshalb einer Hormonbehandlung unterzogen. Der Fall löste eine neue Diskussion über die Grenzen der Medizin aus. Weltweit ist noch kein Fall von Achtlingen bekannt geworden, bei dem alle Kinder überlebt hätten.
Erst kürzlich hatte die Poliklinik in Perugia eine mit Vierlingen schwangere Sizilianerin abgewiesen. Dort waren im Januar Sechslinge zur Welt gekommen, zwei Babys starben vier Tage später. Die Geburt der Sechslinge löste einen gewaltigen Medienrummel aus, Fernsehteams wollten Bilder live aus dem Kreißsaal senden. Die Klinikleitung verhinderte dies in letzter Minute. "Wir gedenken nicht, der Kaninchenstall Italiens zu werden."
100 Ärzte und Helfer bereiten sich vor
In Mailand bereiten sich jetzt etwa 100 Ärzte, Geburtshelfer und Pfleger aus zwei Kliniken auf die "Stunde X" vor. Ärzte hatten der 31-Jährigen zu einer "selektiven Abtreibung" geraten, um wenigstens einige der Babys zu retten. Doch die Frau entschied sich zusammen mit ihrem 32-jährigen Mann - ein Sicherheitsbeamter - gegen den Eingriff: "Möge geschehen, was Gottes Wille ist", sagt das Paar. Bei den Achtlingen handelt es sich um vier Jungen und vier Mädchen.
"Wir wären schon zufrieden, wenn die Frau die 27. Schwangerschaftswoche erreichen würde", sagt Vito Console, Chefarzt in der Abteilung für Neugeborene der Niguarda-Klinik. "Je weiter die Schwangerschaft geht, desto besser sind die Organe der Babys - vor allem die Lungen - ausgebildet und desto größer sind ihre Überlebenschancen." Eine normale Schwangerschaft ende zwischen der 37. und der 42. Woche.
"Der Schwangeren geht es den Umständen entsprechend gut", heißt es. Allerdings sei sie längst etwa doppelt so dick wie eine Frau im neunten Monat. Mehr als 16 Kilogramm trage sie in ihrem Bauch. Sie erhalte spezielle Nahrung, auch über den Tropf, um den Magen nicht zu stark zu blähen. Nach der Geburt sollen die Säuglinge auf die Intensivstation verlegt werden. "Für die kritischsten ersten 48 Stunden steht pro Baby ein Arzt bereit." Bei einem ähnlichen Fall vor etlichen Jahren in Texas hätten fünf von acht Säuglingen überlebt.
Die großen Risiken einer solchen Schwangerschaft lösten jedoch auch heftige Kritik unter Ärzten und Rufe nach schärferen Gesetzen in Italien aus. Der Gynäkologe Severino Antinori spricht von einer "schweren Niederlage für die Fortpflanzungsmedizin". Antinori selbst machte international Schlagzeilen, weil er auch Frauen nach der Menopause zum ersehnten Nachwuchs verholfen hat. Auch der Leiter des namhaften Zentrums für künstliche Befruchtung Artes, Alessandro di Gregorio, ist entsetzt: "Wer seriös arbeitet in diesem Bereich, wird nie zu mehr als Drillingen kommen."
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