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Eine Blitzkarriere mit Maske: Cro und das Jahr des Pandas

VON AARON CLAMANN - zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 - 09:57

Im chinesischen Horoskop steht das Jahr 2012 im Zeichen des Drachen, aber in der deutschen Musikwelt war es eindeutig das Jahr des Pandas. Cros Album “Raop” stand an der Spitze der Charts und seine Tier-Maske dürfte mittlerweile so bekannt sein wie Heinos Sonnenbrille. Aber der schnelle Erfolg wirft auf Fragen auf: Bleibt er nur ein “One-Hit-Wonder”? Und wie konnte er überhaupt so bekannt werden?

Für Cros Erfolg lassen sich einige eindeutige Zahlen nennen: 31.529.338 Aufrufe (Stand 20.12.2012) des YouTube-Videos zur Single “Easy”, eine Platzierung von “Easy” auf Platz zwei der Charts und ein Charteinstieg des Albums auf die Nummer eins im Juli 2012. Die Erfolgsfaktoren, die für Cros Aufstieg entscheidend sind, lassen sich im Wesentlichen in drei Kategorien einteilen: 1. Image und Auftreten 2. Musik und Texte 3. Zeitgeist und Umfeld. Dabei hat insbesondere das Jahr 2012 gezeigt, dass Cro mehr ist als eine eindimensionale Kunstfigur, die sich der Mediengestalter Carlo aus der Nähe von Stuttgart hat einfallen lassen.

1. Image und Auftreten

Die größte und offensichtlichste Rolle bei Cros Image spielt natürlich die Maske. Und zuerst fragt man sich natürlich, warum er überhaupt diese Maske trägt. Auf diese Frage hat Cro im Interview mit RP Online geantwortet: “Vor einem halben Jahr war ich noch ein Kindskopf und musste ganz ganz schnell reifen, damit ich nicht untergehe in dem Trubel. Zum Glück habe ich ja die Maske. Carlo erlebt ja das Star-Ding nicht, ohne Maske erkennt ihn ja keiner. Erst wenn ich die Maske aufsetze, geht das Gekreische los.” Hinter der Maske versteckt Carlo also hauptsächlich sein Privatleben. Auch andere Künstler haben sich dieses Tricks bedient und aus der Anonymität heraus ihre Musik präsentiert. In Deutschland fällt einem sofort Sido ein, der sein Image des gefährlichen “Straßenjungen” mit einer Totenkopfmaske untermauerte und mehrere Alben seiner Gesichtsbedeckung gewidmet. Der amerikanische Musiker MF Doom hat sich als Kunstfigur inszeniert, deren Wurzeln beim Comic-Charakter Dr. Doom liegen. Doch während andere Künstler im Schutze der Maske stärker aus sich heraus gehen und ihren Charakter überspitzen, wirkt Cro trotz Maske immer noch schüchtern.

In Interviews antwortet er oft einsilbig, Fragen nach seinem Erfolg und dem finanziellen Aufstieg scheinen ihn nur am Rande zu interessieren. Selbst den Ursprung des Pandagesichts erklärte er im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger als Verlegenheitsaktion. So sei er vor dem ersten Konzert aufgeregt gewesen und habe sofort mehrere Tiermasken bestellt. Die Wahl auf den Panda sei nur gefallen, weil die anderen Masken einfach nicht gut genug ausgesehen hätten. Lediglich bei dem Lied “Wie ich bin” auf dem Album “Raop” äußert sich Carlo zur Maske und seinem Selbstverständnis. Dabei zeichnet er aber eher das Bild des planlosen Jungen, der unverhofft erfolgreich wurde. Doch eine Konzeptlosigkeit zu vermuten, wäre an dieser Stelle falsch. Dazu kennt sich Carlo zu gut mit Mode, Marken und Medien aus. So war der gelernte Mediengestalter für eine Tageszeitung aktiv und hat seit längerem ein eigenes Modelabel.

2. Musik und Texte

Spiegelt sich das Bild des schüchternen Pandas auch in Cros Musik und seinen Texten wieder? Für 2012 tut es das, für die Zeit davor eher nicht. Das Album “Raop” bietet insgesamt einen runden Eindruck. Dabei hat Cro den Großteil der Musik selber produziert und nur gezielt Samples eingesetzt. Musikalisch fühlt man sich in die späten 1990er Jahre zurückversetzt. Dazu kommen Indiepop-Einflüsse wie bei “Einmal um die Welt” und “Wir waren hier”. Selbstverständlich darf auf dem Album auch das bekannte “Easy” nicht fehlen, in dessen Video Cro zwar selber nicht auftaucht, das ihn aber in Deutschland bekannt machte. Das Intro sticht noch am ehesten heraus, weil es sehr elektronisch klingt und die Beats nicht von der Stimme ablenken, wie es bei anderen Stücken ist.

Textlich bietet das Album keine Überraschungen oder große Variationen. Es geht um Frauen, Kleider und Reisen. Mit dem “Intro” oder “Wie ich bin” sind aber auch einige private Stücke dabei. Insgesamt ist das Album sehr stimmig. Die Grenze zur Eintönigkeit ist jedoch nicht weit entfernt. Genau dieser Punkt wurde an Cro schon oft kritisiert. Dabei hat er auf seinen Mixtapes “Meine Musik” und “Easy” bewiesen, dass er auch andere Musikstile und Themen bedienen kann. So fand sich auf “Meine Musik” sogar ein Stück, dass man durchaus als “Diss-Track” bezeichnen kann. Als “Diss-Track” verstehen sich Lieder, in denen ein Rapper eine andere Person direkt angreift und heftig kritisiert. Im “Intro” von “Meine Musik” hat sich Cro ausgerechnet Bushido ausgesucht. Um seine Kritiker gleich doppelt zu überraschen, rappt Cro in diesem Lied technisch hervorragend und bringt anspruchsvolle Doppel- und Dreifachreime an. Wenn auch nicht immer auf seinem Album, erfüllt Cro doch die Grundvoraussetzung, die ein guter Rapper mitbringen sollte.

3. Zeitgeist und Umfeld

Auf dem Weg vom Geheimtipp hin zum kommerziell erfolgreichen Künstler stellt sich bei vielen Musikern irgendwann die Frage, mit welcher Plattenfirma man zusammenarbeiten möchte und welchem Manager man am ehesten vertraut. In der deutschen Rapmusik waren jedoch selbst bekannte Künstler in ihrer Wahlfreiheit oftmals eingeschränkt, weil Rap in den letzten Jahren nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Plattenfirmen stand. Das hat sich mit Künstlern wie Casper, Marteria oder auch Peter Fox und dem Interesse, das sie generiert haben, geändert. Umso erstaunlicher ist es, dass Cro sich noch 2011 bewusst für das verhältnismäßig kleine Label Chimperator entschieden hat. Doch das Unternehmen versteht es, seine Künstler in Szene zu setzen ohne zu aufdringlichen Werbemethoden zu greifen. Dabei war die Aufmerksamkeit, die Cro zu Beginn des Jahres umgab noch keiner gezielten Werbung geschuldet, sondern den Mechanismen der sozialen Netzwerke und der Plattform YouTube. Es entstand etwas, das in der Vergangenheit oft als “Internetphänomen” bezeichnet wurde - ein Selbstläufer, was die Steigerung des Bekanntheitsgrades angeht. Damit passt er in eine Zeit, in der nationale und internationale Künstler die Möglichkeit nutzen, sich möglichst lange selbst zu vermarkten und zu inszenieren.

Die Einladungen in große Fernsehsendungen wie “Wetten, dass..?” waren dann aber schließlich die Folge eines geschickten Marketings, dem offensichtlich auch der Moderator Markus Lanz erlag und sich selber mit Panda-Maske präsentierte. Es folgten Preise und Auszeichnungen wie der Bambi oder die Krone von 1Live. Er scheint sich dabei als angepasster Künstler innerhalb des Mediengeschäfts zu etablieren. Er wirkt wie der direkte Gegenentwurf zu einem Bushido und seinen Auftritten bei Preisverleihungen.

Dabei ist die Aufregung um den Künstler Cro keine Revolution im Musikgeschäft. Er provoziert nicht und erhält trotzdem die Aufmerksamkeit des Publikums. Mit dieser Einstellung ist es gut denkbar, dass Cro kein “One-Hit-Wonder” bleiben wird, weil er eben nicht aufdringlich ist und sich beim Fan keine schnelle Übersättigung einstellt.

Der amerikanische Rapper Ice-T hat in einer Dokumentation gesagt “Erfunden hat Hiphop nichts, neu erfunden hat Hiphop alles.” Abgewandelt kann man auch über Cro sagen, dass er keine neue Form der Musik erfunden hat, aber trotzdem die Musik und vor allem den Blick auf Rap erneuert hat. Am allerbesten beschreiben sein Jahr 2012 aber wohl die Zeilen des Intros auf dem Album “Raop”: “Wieder mal ein Jahr um. Wieder mal ein Datum. Wieder mal Erwartungen übertroffen, Wieder mal ein Jahr vorbei und wieder mal war niemand von den anderen da, um den Typ zu stoppen.”

Quelle: ac/csi/ac/sap
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