Die bittere Realität zum Ende des Autojahres 2008: Es war ein Jahr der Halden mit unverkauften Neufahrzeugen. Die Absatzkrise, die auch hier in den USA ihren Anfang nahm, ist längst global.
Sieht so die Autozukunft aus? Daimlers Erfolgsmodell Smart als Elektro-Variante soll irgendwann die Straßen bevölkern. Das Problem: Die Betonung liegt auf irgendwann. In der aktuellen Krise helfen Visionen dem krisengeplagten Daimler-Chef Dieter Zetsche (rechts mit Evonik-Boss Wener Müller) leider nicht weiter.
Am schlimmsten hat es die Autobauer in den USA erwischt. Weil sie jahrelang am Bedarf vorbeiproduzierten, verbrennen General Motors, Chrysler und Ford Tag für Tag Milliarden US Dollar.
Die US-Autobosse Rick Wagoner (General Motors), Robert Nardelli (Chrysler) und Alan Mulally (Ford, von links) blitzten im Kongress mit ihrer Bitte um Staatshilfen in Milliardenhöhe ab.
George W. Bush warf den angeschlagenen Giganten schließlich persönlich den Rettungsring zu. Damit bewahrt der scheidende Präsident zunächst einmal General Motors und Chrysler mit einer Spritze in Höhe von 17,4 Milliarden Dollar, abgezweigt aus dem Bankenrettungspaket, vor dem Untergang.
Bis ins neue Jahr ist die GM-Produktion damit gerettet. Eine langfristige Lösung stellen die 17,4 Milliarden aber nicht dar. Der künftige Präsident Barack Obama steht vor einer riesigen Herausforderung.
Aufatmen auch bei Opel. Die deutsche Tochter hängt am Tropf der Konzernmutter GM. Das Problem: Beantragte Staatshilfen von der Bundesregierung würden in Detroit versickern.
Dabei hat Opel mit dem Insignia eigentlich gerade erst bewiesen, dass die Wende zum Besseren geschafft scheint. Die neue Mittelklasse wurde zum "Auto des Jahres 2009" gekürt. Ansonsten waren bis auf den Corsa auch Zweifel an der Qualität der Opel-Flotte angemeldet worden.
Was auch immer in den USA passiert: Ein Zusammenschluss der größten Opel-Händler in Deutschland will die Traditionsmarke im Zweifel selbst kaufen.
Tiefe Furchen im Gesicht von Katsuaki Watanabe: Auch der Toyota-Boss hatte zum Jahresausklang schlechte Nachrichten zu verkünden.
Erstmals in der Unternehmsgeschichte waren diese Toyota-Manager dafür verantwortlich, dass der größte Autobauer der Welt im Jahr 2008 einen Verlust im operativen Geschäft in Höhe von 1,22 Milliarden Euro schrieb.
Da strahlte er noch: Watanabe bei der Präsentation des neuen Toyota iQ. Mit dem Kleinwagen, der im Januar 2009 in den Handel kommt, sowie einer Elektro-Veriante soll die Wende gelingen. Daran soll sich Panasonic beteiligen.
Die Krise ist weltumspannend. Selbst beim deutschen Premiumarbeiter Daimler wird Kurzarbeit gefahren. Die Weihnachtsferien werden aufgrund des Absatzrückgangs verlängert.
Im November 2008 wurden so wenige Autos verkauft wie zuletzt 1999. Das bringt wie bei einem Dominoeffekt immer mehr Zulieferer an den Rand des Ruins.
Er hat solche Sorgen nicht. Ratan Tata war der Krisengewinnler eines niederschmetternden Autojahres. Der indisches Wirtschaftsmogul stellte im Januar 2008...
...diesen Tata Nano vor und verblüffte damit die Auto-Branche. Das billigste Auto der Welt soll für umgerechnet 1700 Euro zu haben sein. Ein Schock für die etablierten Hersteller. Zumal Tata dann auch noch ankündigte, eine Elektro-Version des Kleinstwagens bauen zu wollen.
Auf den elektrischen Zug springen nun alle auf. Mini startet einen Großversuch in den Vereinigten Staaten.
Einer der wenigen Hoffnungsträger aus dem Hause General Motors ist der Chevrolet Volt. Der elektrisch betriebene Serien-Volt ist ein Vorhaben für das Jahr 2010 - sofern es General Motors dann noch gibt.
Der erste eigene Hybrid-Wagen, den Mercedes mit dem S400 im Jahr 2008 präsentierte, ist technisch fast schon wieder überholt. Jedenfalls wenn er im Sommer 2009 auf den Markt kommt.
Das hat auch Daimler begriffen und seine Ingenieure zu neuen Großtaten angestachelt: So soll eine neue B-Klasse aussehen. Der Haken: Bislang ist es nur ein Entwurf am Computer.
Honda, weltweit größter Motoren-Hersteller, setzt nach wie vor auf die Brennstoffzelle. Der FCX ist seit diesem Jahr serienreif.
Die rumänische Tochter Dacia ist 2008 mit seinen Verkaufszahlen durch die Decke gegangen. Der Sandero setzte auf ein gefälliges Design und war bei einem Basispreis von 7500 Euro nach kurzer Zeit ausverkauft. Inzwischen hat aber auch Dacia angesichts der Absatzkrise seine Produktionszahlen zurückgefahren.
Der neue Golf VI startete im Oktober zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Trotzdem setzt Volkswagen voll und ganz auf seinen Dauerbrenner.
Die Debatte um eine höhere Beimischung von Biosprit war schnell beendet, als die Unverträglichkeit von Millionen Fahrzeugen nach zähen Untersuchungen endlich ermittelt war. Die politische Dimension (Stichwort Benzin statt Brot) tat ein übriges, weswegen sich Kanzlerin Angela Merkel im April bei einem Hersteller von Biosprit der zweiten Generation zeigte. Heute wären wir froh, wir hätten nur diese Probleme.
Zur Jahresmitte diskutierte Deutschland hauptsächlich über die Spritpreis-Explosion.
Die Schraube drehte sich immer schneller. Vor allem: Zum Entsetzen der Selbstzünder-Fahrer zog der Dieselpreis am Preis für Superbenzin vor, durchbrach zeitweise sogar die Schallmauer von 1,50 Euro.
Brummi-Fahrer blockierten aus Protest die deutschen Fernstraßen. Anders als in Spanien oder Portugal führte das allerdings nicht zu gravierenden Folgewirkungen bei der Versorgung der Bevölkerung.
Sechs Monate später: Die Finanzkrise lässt die Ölmärkte weltweit einbrechen. Die Spekulationsblase platzt, die Spritpreis rauschen unter einen Euro. Ein solche Achterbahnfahrt gab es noch nie. Die Autofahrer freut es.
Mehr Zustimmung als Ablehung findet auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale. Der Staat wird zur Gewährung der kompletten Summe ab dem ersten Kilometer verpflichtet.
Rund 17 Millionen Pendler dürfen sich über Nachzahlungen von den Finanzämtern in teils beträchtlicher Höhe freuen. Ein feines Weihnachtsgeschenk.
Peinlich, peinlich: Mit einer zeitweisen Befreiung von der Kfz-Steuer wollte die Regierung einen Beitrag zum Konjunkturprogramm leisten. Doch dieser Schuss ging gründlich nach hinten los. Auch die Abänderung der Pläne nicht nicht mehr als Flickschusterei, weswegen nun die Weichen auf eine CO2-orientierte Steuer gestellt werden sollen. Das Startdatum 1. Januar 2010 kommt Experten aber noch immer wie ein Witz vor. Die EU hat sich derweil nach langem Hin und Her auf neue CO2-Richtlinien zum Klimaschutz geeinigt.
Daran haben wir uns gewöhnt: Immer mehr Innenstädte werden zu Umweltzonen. Seit Oktober weite Teile des Ruhrgebiets, am 15. Februar stellt Düsseldorf die ersten Schilder auf.
Daran werden wir vermutlich gewöhnen müssen: China nahm im Oktober mit dem Brilliance BS4 einen neuen Anlauf, den deutschen Markt zu erobern. Es war nicht der einzige Hersteller im Laufe des Jahres 2008. Wer weiß, wozu uns die Finanzkrise noch treibt.
In den USA besinnt man sich im Zweifel auf höhere Mächte. Im Mai beteten Rentner Rocky Twyman (Mitte) und seine Gefolgsleute an Tankstellen um sinkende Spritpreise - und siehe da: Es hat geholfen. Dafür haben sie in den USA nun ein anderes Problem. Nun werden in Detroit Bittgottesdienste für die kranke Autoindustrie abgehalten.