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Bau der Wehrhahn-Linie: Als Düsseldorf zur Großbaustelle wurde

VON URS LAMM - zuletzt aktualisiert: 17.12.2008 - 08:40

Düsseldorf (RPO). Hier ein großer Bagger, dort ein Bauzaun. Hier tiefe Löcher, dort eine Umleitung: Die Arbeiten zur Wehrhahn-Linie bestimmen seit Monaten das Stadtbild. Oder anders ausgedrückt: Düsseldorf verwandelte sich 2008 in eine Großbaustelle – und hatte fortan mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel mit Verkehrsproblemen oder Lärmbelästigungen.

Die Wehrhahn-Linie ist ein Großprojekt. Das belegen schon die schnöden Zahlen: Seit Ende Januar 2008 laufen die Bauarbeiten. Im Jahr 2014 soll die neue U-Bahn-Strecke zwischen den S-Bahnhöfen Wehrhahn und Bilk fertig sein. Entlang der Strecke müssen 178 Bäume gefällt werden, insgesamt 357 neue sollen gepflanzt. Kosten der Wehrhahnlinie: rund 650 Millionen Euro.

Dass die Wehrhahn-Linie nicht nur auf dem Papier ein Großprojekt ist, erlebten die Düsseldorfer sowie zahlreiche Besucher der Landeshauptstadt im alltäglichen Leben. Eine Baustelle neben der anderen reiht sich durch die City. Und mit ihnen eine ganze Palette an Problemen – etwa im Verkehr.

Autofahrer müssen in der Innenstadt viel Zeit einplanen. Durch die vielen Baustellen staut sich der Verkehr an neuralgischen Punkten. Dazu zählt vor allem die Kasernenstraße, wo sich Straßenbahn und Autos eine Spur teilen müssen - das reinste Nadelöhr.

Verkehrschaos zur Mittsommernacht

Zu einem großen Verkehrschaos kam es zur Mittsommernacht, die Hunderttausende in die Stadt lockte. Ein Großteil von ihnen stand stundenlang im Stau. Die Kreuzung Berliner Allee/Schadowstraße war wegen Bauarbeiten zur Wehrhahnlinie gesperrt. Rund um die Kreuzung ging nichts mehr. Ein paar kleine Unfälle lösten ein immer größeres Chaos aus. Zwischendurch musste die Einfahrt ins Parkhaus Schadow Arkaden sogar gesperrt werden.

Im Parkhaus selbst standen in der untersten Etage Autofahrer bis zu 45 Minuten und warteten darauf, dass sich die angespannte Verkehrssituation oberirdisch auflöst. Die Situation gipfelte darin, dass Ralf Esser vom Forum Stadtmarketing, dem Veranstalter der Mittsommernacht, sich entschied, den Verkehr selbst zu regeln. Eine Stunde lang lotste er ein- und ausfahrende Autos Richtung Berliner Allee oder Immermannstraße.

Nach dem Wochenende waren die Fronten zwischen den Verantwortlichen verhärtet. Esser beklagte, dass er von der Baustelle viel zu spät erfahren habe. Roland Hahn vom Amt für Verkehrsmanagement antwortete auf die Frage, ob die Baustelle an einem Party-Wochenende eingerichtet werden muss: „Muss eine solche Party an einem Baustellenwochenende sein?“

Händler verärgert

Der Bau der Wehrhahnlinie rief auch viele Düsseldorfer Händler auf den Plan. Sie befürchteten auf Grund der vielen Baustellen Umsatzeinbußen. Einige von ihnen fordern Schadenersatz von der Stadt. „Nur wer seine Umsatzeinbußen konkret mit den Beeinträchtigungen durch die Wehrhahn-Linien-Bauarbeiten nachweisen, kann auch mit Geld rechnen“, sagt Verkehrsamtsleiterin Andrea Blome. Die Anträge werden geprüft, Geld fließt gegebenenfalls frühestens Anfang 2009.

Der Bau der Wehrhahn-Linie hatte auch für die Weihnachtsmarkt-Händler Folgen. Ein Teil der Buden von der Schadowstraße musste wegen der Bauarbeiten auf den Gustaf-Gründgens-Platz umziehen. Kein idealer Standort für einen Weihnachtsmarkt, wie sich schnell herausstellte. Auf dem von Fallwinden heimgesuchten Platz vor Schauspielhaus und Dreischeibenhaus kamen merklich weniger Kunden als zur Schadowstraße.

Besucher der City hatten ebenfalls mit Widrigkeiten durch die Baustellen zu kämpfen. Etwa mit Lärm. „Ich habe mir schon viele Beschwerden anhören müssen. Die Leute halten sich bei Verlassen unseres Hauses die Ohren zu“, berichtete Türsteher Alexander vom Breidenbacher Hof im Sommer.

Irrlauf im November

Im November irrten beim verkaufsoffenen Sonntag viele Besucher hilflos durch die Gegend. Durch die vielen Baustellen mussten viele Umwege und Umleitungen benutzt werden. Nicht jeder Besucher behielt dabei den Durchblick, es kam zum reinsten Einkaufsslalom am Bauzaun.

Die Wehrhahn-Linie wird noch bis 2014 gebaut. In Düsseldorf wird man in den nächsten Jahren noch mit der einen oder anderen Widrigkeit rechnen müssen. Es sollte allerdings nicht vergessen werden, dass von der Wehrhahnlinie später viele profitieren werden - Besucher wie Händler gleichermaßen. Bis dahin gilt das Motto von Roland Hahn: “Da müssen wir durch.“


 
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